Yps mit Gimmick – Ein nostalgischer Spaziergang

Gelegentlich treffen einen Erinnerungen aus der Kindheit und lassen einen in Nostalgie schwelgen. Für mich als Volksschüler in den 1970er Jahren war das begehrenswerteste Wochenmagazin YPS mit Gimmick. Diese Kinderzeitschrift unterschied sich damals von allen anderen insofern, als jedes mal ein öfter ein mehr wertloses als wertvolles Spielzeug – das Gimmick – beigelegt war.

Dieses musste, sofern es sich um irgend etwas aus Plastik handelte, erst zusammen gebaut werden. Manchmal war es ein Pulver oder einfach eine Plastikplane, die dann fantasievoll als „Urzeitkrebse“ oder „Abenteuerzelt“ angepriesen wurden. oft waren es wissenschaftliche Gimmicks, wie ein Hygrometer – ein Feuchtigkeitsmesser, der bei mir daran scheiterte, dass ich kein Haar finden konnte, das lang genug gewesen wäre, und das sich bei Feuchtigkeitsschwankungen zusammen zog oder ausdehnte und es so gesteuert hätte – oder dass andere Teile fehlten, wie beim Zeppelin zu dem ich kein Helium hatte. Oder schlicht spielten die Eltern nicht mit, wie bei den eckigen Eiern.

Während die Gimmicks meist schnell wieder kaputt waren, blieben noch die Comics im Heft. Und die waren doch von unterschiedlicher Qualität. Es gab einige originale Comics, die nur im Yps vorkamen, wie eben Yinnie+Yan, eine Fernsehcrew, die ihre wilden Abenteuer erlebte. Oder Yps, das zugleich auch der Name eines gestreiften Kängurus war.

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Sangre – Ein Mädchen sieht rot

Ein junges Mädchen mit einer seltenen Gabe fügt einem Priester einen Schnitt nach dem anderen zu, um ihn möglichst schmerzhaft ausbluten zu lassen. Das ist der Einstieg zu einer Geschichte des umtriebigen französischen Szenaristen Christophe Arleston und von Adrien Floch gekonnt in Szene gesetzt.

Was mit erstaunlich Brutalität durch die Hände der jungen Sangre beginnt, hat eine Vorgeschichte, die Jahre zurückliegt. Ihre Eltern, die Weinhändler waren, wurden mitsamt ihrer Karawane in der phantastischen Welt von den Dunklen Skimmern massakriert. Die Skimmer bedienen sich dabei fliegender Drachenwesen, mit denen sie ihre Opfer attackieren, mit Magie und traditionellen Waffen dahinschlachten, und die Habe stehlen.

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Zur Schokoladenmama in der zweiten Karriere

In der Schweiz könnte ich nicht leben, und das hat nichts mit der wunderbaren Landschaft oder den netten Menschen zu tun. Der Grund liegt in etwas viel Banalerem: Schokolade. Das Land hat die Kunst der Schokolade auf ein Niveau gebracht, das es mir schwer machen würde, mich in Disziplin zu üben. Ich würde einfach viel zu viel von dem süßen Zeugs in mich hineinfuttern und wohl glücklich, aber doch zu früh das Zeitliche segnen.

Schokoladenmousse

Während ich – vergeblich – versuche von Schokolade Abstand zu halten, hat die Französin Catherine Bréard genau das Gegenteil gemacht. Sie stürzte sich voll in das Schokoladebusiness. Als junge Ehefrau und Mutter bereitete sie mit einer Leidenschaft, die sie von ihrer eigenen Mama und Omama geerbt hatte, für ihren Sohn Alix Schokoladenmousse zu wann immer sie konnte. Er nannte sie dafür seine ‚Schokoladenmama‘. Doch wie so oft kommt das Leben dazwischen und ihr Beruf am Arbeitsamt ließ ihr keine Zeit für Frivolitäten wie Schokoladenmousse. Bis ihr Sohn, mittlerweile erwachsen und aus beruflichen Gründen nach Japan gezogen, seine Mama um folgendes bat: „Versprich mir, dass du eines Tages deine Leidenschaft ausleben wirst.“

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Kann man durchs Leben gehen, ohne jemals die Gefühle anderer zu verletzen?

Der Filmklassiker Ronin von 1998 hatte diesen großartigen Moment, in dem Robert de Niro auf die Frage „Schon mal jemanden getötet?“ ohne mit der Wimper zu zucken mit „Ich habe mal die Gefühle von jemanden verletzt!“ beantwortete (m deutschen Filmtrailer ist das unpräzise und meiner Meinung nach weniger lustig mit „Höchstens mal ein Herz gebrochen“ übersetzt).

Auch wenn wir keine Killer sind – zumindest die meisten von uns – stellte sich mir die Frage, ob wir durchs Leben gehen können, ohne jemals die Gefühle anderer zu verletzten? Und was sind denn überhaupt Gefühle?

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Japans Playboy Prinz Feiert Tausend Jahre

Die Nebenfrau des Vaters schwängern, vom Hof verbannt werden, jede Menge schöne Frauen und gespickt mit Poesie. Das klang schon vor tausend Jahren als ausgezeichnete Zutat für einen fesselnden Stoff und soll es tausend Jahre später immer noch sein.

Die Rede ist von Die Geschichte vom Prinzen Genji, dem ersten Roman überhaupt, die von einem fiktiven Prinzen handelt, und am japanischen Kaiserhof um das Jahr 1000 von der Hofdame Murasaki Shikibu (ca. 978–1014) erfunden worden war.

Die Hofdame und Autorin Murasaki Shikibu
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Geburtstagskuchen mit Spucke essen

Erinnern wir uns noch daran, dass wir noch vor wenigen Wochen einfach so, ohne mit der Wimper zu zucken, ein Stück vom Geburtstagskuchen essen, über den vorher das Geburtstagskind die Kerzen ausgeblasen hat? Und jetzt rinnt uns dabei die Gänsehaut runter, wenn wir uns das nur vorstellen müssen.

Knapp zwei Monate haben die Kalibrierung, wovor wir Sorgen haben müssten, einfach auf den Kopf gestellt. Als Kind in den 1970er Jahren fand ich es völlig normal, in unserem Auto – ein VW Kombi – hinten drin auf der Ladefläche nur auf einer Luftmatratze sitzend mitzufahren und bei jeder Bremsung und bei jedem Anfahren damit hin und her zu rutschen. Sicherheitsgurte oder Nackenstützen im Auto waren abwesend, genau wie Sicherheitssitze für Kinder.

Noch vor wenigen Jahren schien uns nichts dabei, dass wir Zigarettenraucher neben uns im Restaurant oder Kaffeehaus sitzen hatten. Wir verschwendeten keinen Gedanken daran. Und wer griff nicht einfach so nach einer zum Gruß ausgestreckten Hand?

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Die Kunst des Lebens selbst

Hand aufs Herz: Wem von euch war bewusst, wie sehr unser Tag fremdbestimmt und fremdstrukturiert war? Wie sehr Besprechungen und Termine als Ausrede galten, selber nicht über deren Notwendigkeit und die eigenen Wünsche nachzudenken?

Für manche führt, wie bei der Corona-Virus-Krise, der abrupte Stopp aller üblichen Tätigkeiten zu einer Sinnkrise. Die ersten Tage versucht man noch krampfhaft, die alten Routinen und Tagesstruktur aufrechtzuerhalten, indem man Besprechungen nun per Videokonferenz abhält, doch schon nach wenigen Tagen merkt man, dass das nicht so funktioniert. Shopping gehen als Ablenkung, Kinder zur Schule bringen und abholen, der Kaffeehausbesuch und das Workout im Fitnesscenter zählten dazu, und man ersparte sich das Denken. Nicht mehr.

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Der Eternaut – Eine Wucht von argentinischem Comic

Der Zufall stieß mich im Dezember auf den mir bis dahin unbekannten argentinischen Comic-Szenaristen und Journalisten Héctor Germán Oesterheld. Und was für ein sensationelles Werk hat dieser unter tragischen Umständen in der Militärdiktatur „verschwundene“ Aktivist da hinterlassen.

Argentinische Nationalbilbiothek in Buenos Aires

Beim Erkunden von Buenos Aires kam ich an der Argentinischen Nationalbibliothek vorbei, ein Meisterwerk des Brutalismus, und beim Fotografieren stolperte ich über das dahinter gelegene Comicmuseum, das mit einer Ausstellung dem Schaffen Oesterhelds gedachte. So klein das Museum war, so traditionell die Ausstellung, desto interessanter waren die Exponate und wurde mein Interesse an der Person.

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Von Clever & Smart zu Tilg & Aschbacher – Wie Krisen Inkompetenz schonungslos offenlegen

Wann immer die Rettung der Welt vom Trans-Internationalen Agentenring (T.I.A.) abhängig ist, holt sich der Leiter Mister L. seine zwei „besten“ Agenten, auch wenn er sie am liebsten gar nicht einberufen wollte. Mortadelo & Filemon, bei uns besser als Clever & Smart bekannt, sind neben Johnny English wohl die beiden unfähigsten Geheimagenten, die die Welt je kennen gelernt haben. Den Schurken wird vor allem deshalb das Handwerk gelegt, weil sie nicht mit der verheerenden Kraft der natürlichen Dummheit der auf sie angesetzten Agenten rechnen. Ein Phänomen, mit dem sich der bereits verstorbene Berkeley-Professor Carlo M. Cipolla Zeit seines Lebens beschäftigt hat.

Man vergisst dabei leicht, dass Inkompetenz auch an ganz prominenten Stellen bei Unternehmen und in Regierungsämtern vorkommen. in normalen Zeiten mag das kompetenten Personen durchaus offensichtlich sein, aber zu wenig Konsequenzen führen. Donald Trump in den USA oder Boris Johnson in Großbritannien haben es bekanntermaßen nicht so sehr mit Kompetenz, aber dafür mehr mit Populismus und Ängste schüren an die Spitze geschafft.

Sobald aber eine echte Krise, wie in der Form des Coronavirus, auftritt, die kompetentes und informiertes Handeln notwendig macht, und wo viele Menschenleben auf dem Spiel stehen, ist es aus mit diesen Personen. Eine Krise legt brutal und schonungslos die Inkompetenz von Führungspersönlichkeiten offen.

Ein Beispiel aus heimischen Gefilden machte Anfang dieser Woche Schlagzeilen. Nachdem hunderte Skitouristen aus Tiroler Skigebieten in ihre Länder heimkehrten und dort positiv auf COVID-19 getestet worden waren (hier eine Zusammenstellung der Ereignisse), war Feuer am Dach in Tirol und Österreich. Was liegt näher, als den Tiroler Landesrat für Gesundheit, Bernhard Tilg von der ÖVP, ins Nachrichtenstudio einzuladen und seine Meinung dazu zu hören und die Maßnahmen zu besprechen?

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Von Dunning-Kruger zum viel schädlicheren Trump-Pence-Effekt

In einem Film, der als Hommage an alte Science Fiction-Filme und B-Movies gedacht war, attackieren Außerirdische die Erde und richten unter den Menschen ein Massaker an. Der amerikanische Präsident ist sich mit seinen Beratern nicht ganz eins, wie die richtige Vorgehensweise sein soll, vor allem sollen die Umfragewerte des Präsidenten darunter nicht leiden. Die Reaktionen auf die Invasion sind somit zögerlich, unkoordiniert, und letztendlich auch für den Präsidenten und seinen Stab tödlich.

Der Film Mars Attacks! von Tim Burton aus dem Jahr 1996, mit Jack Nicholson in der Rolle des amerikanischen Präsidenten, war zwar kein Kassenerfolg, aber er parodierte den politischen Alltag der USA gekonnt. Er stellt eine Welt da, die so nicht in der Wirklichkeit vorkommen kann. Oder doch?

Man ersetze das Wort Außerirdische mit dem Wort Coronavirus, und wir haben den Salat. Und nicht nur das, die Lage ist tatsächlich noch übler, als der Film in seiner parodistischen Überzeichnung darstellen wollte.

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