Archiv der Kategorie: Comic

Gibt es Unterschiede in der Liebe? Knirpse philosophieren zu Tiefschürfendem

Gelegentlich fällt einem ein Comicband in die Hände, wo man sich fragt, wo dieser wohl all die Jahre gesteckt hat? So ging es mir mit Pico Bogue, einer Comicserie eines Jungen, seiner Familie und seinen Freunden, die von Zärtlichkeit und Witz geprägt ist, und die neunmalklugen Protagonisten in Kontrast zur Welt der Erwachsenen stellt.

Dass der Stil vom Zeichner Alexandris Dormal dem von Sempé ähnelt, der u.a. mit den Illustrationen zum Der kleine Nick bekannt ist, erleichtert die Sache. In Kombination mit den gefühlvollen und heiteren Geschichten der Szenaristin Dominique Roques ergibt sich eine sehr süßes Gesamtwerk.

Schon die erste kurze Geschichte (siehe Abbildung) zeigt das anschaulich. Pico philosophiert bei einem Stück Kuchen mit seiner kleinen Schwester, ob sich die Liebe gleicht. Ist die Liebe zu einem Mädchen vergleichbar mit der zu einem Stückchen Kuchen? Seine Schwester meint, dass es so sei, und lenkt ihren Bruder ab. Als Pico sich wieder umdreht, sieht man ihr Mäulchen mit Kuchen beschmiert, und auf seinem Teller gähnt die Leere, wo vorher derselbe Kuchen war. Mit weisen Worten schließt sie die Diskussion zur Liebe ab:

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#16 Thilo Krapp – Von Marsianern und Mäusen in Berliner Kaufhäusern

Thilo Krapp ist Illustrator und Comiczeichner. Er lebt und arbeitet in Berlin und lehrt an der Berufsfachschule „Akademie für Illustration und Design“ das Fach Comic/Graphic Novel.

In diesem Gespräch schildert er seinen Werdegang und seine frühe Faszination mit Comics. Wir sprechen über die Art, wie er an die Schaffung von Comics herangeht und dabei ausgiebige Recherchen zu Details aus den jeweiligen Epochen seiner Geschichten macht. Dabei erfahren wir auch  mehr über sein Interesse an klassischer Science-Fiction aus dem 19 und frühen 20 Jahrhundert, wo er nach „Krieg der Welten“ von H.G. Wells nun gerade Jules Vernes „20.000 Meilen unter dem Meer“ fertigstellt. Wir reden auch über seine Sachbilderbücher Émile in Paris und Émile in Berlin, die durch ihre Liebe zum historischen Detail hervorstechen, sowie seine musikalisch von seinem Mann begleiteten Vortragsabende.

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Japanische Notizbücher eines Italieners

Wer kennt das nicht? Man stöbert in einer Buchhandlung, und ein Werk sticht ins Auge, das anspricht, und dessen Schöpfer einem unbekannt ist. Igort – kurz für Igor Tuver – ein aus Sardinien gebürtiger italienischer Comickünstler, war verantwortlich für Japanese Notebooks: A Journey to the Empire of Signs. Darin dokumentierte der Künstler seine Jahre in Tokyo, wo er seit den 1990er Jahren für verschiedene Verlage sehr populäre Mangas zeichnet.

Und Igorts Stil ist vielseitig, wie man in seinen japanischen Notizbüchern erkennen kann. Halb Comic, halb Erzählung führt er uns durch seine persönliche Erfahrung mit seinen längeren und kürzeren Aufenthalten in Japan und bringt uns japanische Geschichte, Geschichten und Besonderheiten nahe. Dabei wechselt er seine Zeichenstile, um die jeweilige Erzählebene zu treffen.

Cover von Japanese Notebooks
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Duckenstein und sein Entenhomunkulus

Seit einiger Zeit bringt das französische Verlagshaus Glénat eine neue Serie von Donald Duck und Micky Maus Comicalben heraus, die in ihrer Qualität hervorstechen. Nach wunderbar gezeichneten Bänden wie Horrifikland oder Micky und der verlorene Ozean kommt nun Duckenstein.

Es handelt sich, wie aus dem Titel und Titelbild erkennbar, um eine Adaption von Mary Shelleys Frankenstein. Die Geschichte von der fktiven Autorin Mary Shelduck folgt Shelleys Handlung sehr genau, mit leichten Anpassungen, die sie für eine jüngere Leserschaft weniger düster und leichter machen. Natürlich kommen alle bekannten Charaktere vor, wie Onkel Dagobert, Gustav Gans, Daisy Duck, und die Donald Ducks Neffen Tick, Trick und Track. Donald Duck selbst Viktor von Duckenstein. Die Handlung selbst spielt teilweise in Ingolstadt und auf der ganzen Welt.

Titelbild von Duckenstein
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Yps mit Gimmick – Ein nostalgischer Spaziergang

Gelegentlich treffen einen Erinnerungen aus der Kindheit und lassen einen in Nostalgie schwelgen. Für mich als Volksschüler in den 1970er Jahren war das begehrenswerteste Wochenmagazin YPS mit Gimmick. Diese Kinderzeitschrift unterschied sich damals von allen anderen insofern, als jedes mal ein öfter ein mehr wertloses als wertvolles Spielzeug – das Gimmick – beigelegt war.

Dieses musste, sofern es sich um irgend etwas aus Plastik handelte, erst zusammen gebaut werden. Manchmal war es ein Pulver oder einfach eine Plastikplane, die dann fantasievoll als „Urzeitkrebse“ oder „Abenteuerzelt“ angepriesen wurden. oft waren es wissenschaftliche Gimmicks, wie ein Hygrometer – ein Feuchtigkeitsmesser, der bei mir daran scheiterte, dass ich kein Haar finden konnte, das lang genug gewesen wäre, und das sich bei Feuchtigkeitsschwankungen zusammen zog oder ausdehnte und es so gesteuert hätte – oder dass andere Teile fehlten, wie beim Zeppelin zu dem ich kein Helium hatte. Oder schlicht spielten die Eltern nicht mit, wie bei den eckigen Eiern.

Während die Gimmicks meist schnell wieder kaputt waren, blieben noch die Comics im Heft. Und die waren doch von unterschiedlicher Qualität. Es gab einige originale Comics, die nur im Yps vorkamen, wie eben Yinnie+Yan, eine Fernsehcrew, die ihre wilden Abenteuer erlebte. Oder Yps, das zugleich auch der Name eines gestreiften Kängurus war.

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Sangre – Ein Mädchen sieht rot

Ein junges Mädchen mit einer seltenen Gabe fügt einem Priester einen Schnitt nach dem anderen zu, um ihn möglichst schmerzhaft ausbluten zu lassen. Das ist der Einstieg zu einer Geschichte des umtriebigen französischen Szenaristen Christophe Arleston und von Adrien Floch gekonnt in Szene gesetzt.

Was mit erstaunlich Brutalität durch die Hände der jungen Sangre beginnt, hat eine Vorgeschichte, die Jahre zurückliegt. Ihre Eltern, die Weinhändler waren, wurden mitsamt ihrer Karawane in der phantastischen Welt von den Dunklen Skimmern massakriert. Die Skimmer bedienen sich dabei fliegender Drachenwesen, mit denen sie ihre Opfer attackieren, mit Magie und traditionellen Waffen dahinschlachten, und die Habe stehlen.

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Der Eternaut – Eine Wucht von argentinischem Comic

Der Zufall stieß mich im Dezember auf den mir bis dahin unbekannten argentinischen Comic-Szenaristen und Journalisten Héctor Germán Oesterheld. Und was für ein sensationelles Werk hat dieser unter tragischen Umständen in der Militärdiktatur „verschwundene“ Aktivist da hinterlassen.

Argentinische Nationalbilbiothek in Buenos Aires

Beim Erkunden von Buenos Aires kam ich an der Argentinischen Nationalbibliothek vorbei, ein Meisterwerk des Brutalismus, und beim Fotografieren stolperte ich über das dahinter gelegene Comicmuseum, das mit einer Ausstellung dem Schaffen Oesterhelds gedachte. So klein das Museum war, so traditionell die Ausstellung, desto interessanter waren die Exponate und wurde mein Interesse an der Person.

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Ein Lord als Streifenpolizist

Das Leben als Lord, der dank des großzügigen Familienerbes nicht darben muss, stellen wir uns als ein bequemes vor. In der Früh, also eher zu Mittag, werden wir vom Butler geweckt, der uns das Frühstück ans Bett mit der Morgenzeitung serviert, und wir müssen nach ausgiebigen Genuss nur mehr in die bereitgelegte und gebügelte Kleidung schlüpfen, um dem Polo, der Fuchsjagd oder dem Spaziergang zu frönen.

Weit gefehlt! Der junge und hinter den Ohren noch grüne Lord Harold – der Zwölfte dieses Namens – ist ein Beispiel für Nobilität mit einer Leidenschaft. Seine gilt der Polizei, und dort will er hin. Und nicht nur in irgendeinen Rayon, wo es einem Lord gebührend verhältnismäßig gesittet zugeht, sondern er sucht nach einem Posten ganz gezielt im übelsten Stadtteil, Blackchurch, an. Sein Wunsch wird im gewährt und er ist dabei einem Geheimnis auf der Spur, die ihn zu mysteriösen Todesfällen führt, eine Polizeistation die eine Abmachung mit den Schurken zu haben scheint, und einem undurchschaubaren Gleichgewicht zwischen Schurkenbanden. Mittendrin steht die hübsche Besitzerin einer Spelunke, bei der alle Fäden zusammen laufen.

Umschlagsbild von „Die Untersuchungen von Lord Harold“
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Im Kopf von Sherlock Holmes

London im 19. Jahrhundert muss ein Sündenpfuhl gewesen sein, in dem sich Mörder und Totschläger und sonstige dunkle Verbrecher sich ein Stelldichein gegeben haben müssen. So jedenfalls, will man der Kriminalliteratur aus dieser Zeit Glauben schenken.

Zu Londons Glück beherbergt die Stadt aber einen aussergewöhnlichen Schrecken der üblen Burschen, und dieser ist uns wohl bekannt. Sherlock Holmes mit seiner scharfen Logik und seinem etwas einfältigen Sidekick Watson – ein Doktor, nicht weniger – legen den Halunken in vielen Geschichten das Handwerk.

Kein Wunder, dass mehr als 130 Jahre nach dem ersten Auftritt dieses Gespannes aus der Feder von Sir Arthur Conan Doyle die Geschichten noch immer faszinieren und Neuinterpretationen hervorbringen. Das Comicalbum Im Kopf von Sherlock Holmes (Originaltitel: Dans la tête de Sherlock Holmes) führt den Leser in anderer Weise an die Figur heran. Wir können buchstäblich die Gedankengänge Holmes in seinem Kopfe sehen und wie er den Fall der skandalösen Eintrittskarte anhand der Indizien analysiert und löst.

Albumcover von Dans la tête de Sherlock Holmes
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Der Meister des Teppichs

Das Morgenland und das dunkle Russland kommen in diesem entzückenden Comicalbum zusammen, das vom alternden Teppichhändler Fedor handelt, der durch die Weiten des Landes zieht, vor dem die moderne Zeit nicht halt gemacht hat. Die moderne Zeit ist in Form von Parkett- und Holzfußböden in die Häuser gezogen – eine Entwicklung, die Teppiche, die vor der Kälte von Stein- oder Lehmboden schützten, langsam überflüssig macht.

Doch noch mehr Sorgen bereiten Fedor Stirnrunzeln: er spürt sein Alter und ihn bekümmert, dass er keinen Nachfolger für seine Profession hat. Da läuft ihm der junge Danil auf der Flucht vor den Häschern des Bojaren Nazar Alymoff vor den Schlitten. Weil er den Lieblingswindhund der Herrschers getötet hat, droht ihm die Todesstrafe. Fedor reagiert instinktiv, bereitet einen fliegenden Teppich aus und sucht mit Danil – seine anderen Teppiche zurücklassend – in die Weite.

Albumcover von Le maître des tapis
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