Archiv der Kategorie: Comic

Der Mann, der Comics liebt

Wie ein durchgeknallter Comic, unsere Französischlehrerin und ein Zufallsfund meine Comicsammelleidenschaft neu erweckten.

Im Wiener Bezirk Floridsdorf, auf der östlichen Seite der Donau, befand sich in der Nähe unserer damaligen Wohnung ein sogenannter Gemeindebau, eine von der Stadt Wien in den 1920er Jahren errichtete und betriebene Wohnausanlage, die über Geschäfte, Kindergärten, Arztpraxen und einen Bauernmarkt verfügte. Solche Gemeindebauten wie der Schlingerhof waren kleine Dörfer in der Stadt und als Kind waren das unsere Orte, wo wir Erfahrungen sammelten und unsere ganze Welt lag.

In den Arkaden dieses Gemeindebaus befanden sich Geschäftslokale, unter anderen ein Romantauschgeschäft. Dieses existiert schon lange nicht mehr, aber hier ist ein Foto von Google Maps, wie es dort aktuell aussieht.

Der Schlingerhof im 21. Bezirk in Wien, mit Geschäftslokalen in den Arkaden, in denen sich Ende der 1970er Jahre ein Romantauschgeschäft befand, das ich einmal wöchentlich aufsuchen durfte.

In einer der Arkaden befand sich ein Romantauschgeschäft, und in dem konnte ich, damals noch Volksschüler, 10 alte gebrauchte Comicheftchen gegen 10 neue gebrauchte Comicheftchen umtauschen. Für 10 Schilling, das damals etwa 1,5 D-Mark waren, und nach dem Umrechnungskurs 71 Cent entsprechen, was inflationsbereinigt heute ca. €1,90 wären.

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Bezaubernde Djinn – Ein (erotischer) Ausflug in die Welt der Sultane, Göttinnen und Maharadschas

Wer mit der Fernsehserie Bezaubernde Jeannie aufgewachsen ist, ist bereits mit der Welt der Flaschengeister vertraut. In dieser Serie aus den 1960er Jahren fand der von Larry Hagman gespielte Astronaut Tony Nelson an einem Strand eine Flasche, in der sich der von Barbara Eden gespielte Flaschengeist („Dschinn“) Jeannie verbarg. Ihre Zauberkräfte (und Eifersucht) brachten Tony Nelson immer wieder in Bedrängnis.

Knapp sechzig Jahre später schufen der französische Szenarist Jean Dufaux und die spanische Zeichnerin Ana Miralles die Comic-Serie Djinn, von der 13 Bände erschienen sind. Hatte schon die Bezaubernde Jeannie einen definitiv erotischen Unterton in der Beziehung zwischen Nelson und Jeannie, so wird es viel expliziter in dieser Comicserie. Und auch der Nachnamen der Protagonisten zeigen eine Referenz zur Fernsehserie.

In den Alben, deren Geschichten in drei Zyklen in der Türkei, Afrika und Indien stattfinden, gibt es zwei zusammenhängende Erzählstränge. Kim Nelson, die im heutigen London aufgewachsen ist, macht sich auf die Suche nach der Geschichte ihrer Mutter und Großmutter Jade, die ein Dschinn gewesen sein soll. Ihre Magie als Dschinn bestand darin, dass sie Frauen und Männer dazu bringen konnte, sich hoffnungslos in sie zu verlieben und für sie alles aufzugeben, ja selbst in den Tod zu gehen. Für eine Dschinn bedeutet das allerdings, dass sie selbst nie Liebe empfinden kann, so sehr sie es sich wünscht, und damit unweigerlich alle Beziehungen zerbrechen.

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Tolldreiste Geschichten

Der Gesellschaft ein Spiegelbild vorhalten, das ist ein immer wiederkehrendes Motiv in der Literaturgeschichte. Was mit die Göttliche Komödie von Dante im Mittelalter einen Höhepunkt erfahren hatte, setzte sich fort bis hin zu Honoré de Balzac, der mit seinen Tolldreisten Geschichten ein Sittenbild der hohen französischen Gesellschaft um 1830 zeichnete.

Die Zwillingsbrüder Paul und Gaëtan Brizzi, geboren in Italien, aufgewachsen in Paris, nur um dann 1994 nach Hollywood auszuwandern, um dort für die Disney Studio, Pixar und Sony zu arbeiten, nahmen sich nun in einem sehr leichtfüßigen Comicalbum drei der Geschichten von Balzac an. Einfärbig gehalten, führen sie die Leser:Innen in unterhaltsamer Weise und einem flotten Zeichenstil durch die Welt der 1830er Jahre und nehmen dabei gekonnt in ihren Zeichnungen die Gesellschaft, die Kirche und die Moral auf die Schaufel.

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Gibt es Unterschiede in der Liebe? Knirpse philosophieren zu Tiefschürfendem

Gelegentlich fällt einem ein Comicband in die Hände, wo man sich fragt, wo dieser wohl all die Jahre gesteckt hat? So ging es mir mit Pico Bogue, einer Comicserie eines Jungen, seiner Familie und seinen Freunden, die von Zärtlichkeit und Witz geprägt ist, und die neunmalklugen Protagonisten in Kontrast zur Welt der Erwachsenen stellt.

Dass der Stil vom Zeichner Alexandris Dormal dem von Sempé ähnelt, der u.a. mit den Illustrationen zum Der kleine Nick bekannt ist, erleichtert die Sache. In Kombination mit den gefühlvollen und heiteren Geschichten der Szenaristin Dominique Roques ergibt sich eine sehr süßes Gesamtwerk.

Schon die erste kurze Geschichte (siehe Abbildung) zeigt das anschaulich. Pico philosophiert bei einem Stück Kuchen mit seiner kleinen Schwester, ob sich die Liebe gleicht. Ist die Liebe zu einem Mädchen vergleichbar mit der zu einem Stückchen Kuchen? Seine Schwester meint, dass es so sei, und lenkt ihren Bruder ab. Als Pico sich wieder umdreht, sieht man ihr Mäulchen mit Kuchen beschmiert, und auf seinem Teller gähnt die Leere, wo vorher derselbe Kuchen war. Mit weisen Worten schließt sie die Diskussion zur Liebe ab:

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#16 Thilo Krapp – Von Marsianern und Mäusen in Berliner Kaufhäusern

Thilo Krapp ist Illustrator und Comiczeichner. Er lebt und arbeitet in Berlin und lehrt an der Berufsfachschule „Akademie für Illustration und Design“ das Fach Comic/Graphic Novel.

In diesem Gespräch schildert er seinen Werdegang und seine frühe Faszination mit Comics. Wir sprechen über die Art, wie er an die Schaffung von Comics herangeht und dabei ausgiebige Recherchen zu Details aus den jeweiligen Epochen seiner Geschichten macht. Dabei erfahren wir auch  mehr über sein Interesse an klassischer Science-Fiction aus dem 19 und frühen 20 Jahrhundert, wo er nach „Krieg der Welten“ von H.G. Wells nun gerade Jules Vernes „20.000 Meilen unter dem Meer“ fertigstellt. Wir reden auch über seine Sachbilderbücher Émile in Paris und Émile in Berlin, die durch ihre Liebe zum historischen Detail hervorstechen, sowie seine musikalisch von seinem Mann begleiteten Vortragsabende.

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Japanische Notizbücher eines Italieners

Wer kennt das nicht? Man stöbert in einer Buchhandlung, und ein Werk sticht ins Auge, das anspricht, und dessen Schöpfer einem unbekannt ist. Igort – kurz für Igor Tuver – ein aus Sardinien gebürtiger italienischer Comickünstler, war verantwortlich für Japanese Notebooks: A Journey to the Empire of Signs. Darin dokumentierte der Künstler seine Jahre in Tokyo, wo er seit den 1990er Jahren für verschiedene Verlage sehr populäre Mangas zeichnet.

Und Igorts Stil ist vielseitig, wie man in seinen japanischen Notizbüchern erkennen kann. Halb Comic, halb Erzählung führt er uns durch seine persönliche Erfahrung mit seinen längeren und kürzeren Aufenthalten in Japan und bringt uns japanische Geschichte, Geschichten und Besonderheiten nahe. Dabei wechselt er seine Zeichenstile, um die jeweilige Erzählebene zu treffen.

Cover von Japanese Notebooks
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Duckenstein und sein Entenhomunkulus

Seit einiger Zeit bringt das französische Verlagshaus Glénat eine neue Serie von Donald Duck und Micky Maus Comicalben heraus, die in ihrer Qualität hervorstechen. Nach wunderbar gezeichneten Bänden wie Horrifikland oder Micky und der verlorene Ozean kommt nun Duckenstein.

Es handelt sich, wie aus dem Titel und Titelbild erkennbar, um eine Adaption von Mary Shelleys Frankenstein. Die Geschichte von der fktiven Autorin Mary Shelduck folgt Shelleys Handlung sehr genau, mit leichten Anpassungen, die sie für eine jüngere Leserschaft weniger düster und leichter machen. Natürlich kommen alle bekannten Charaktere vor, wie Onkel Dagobert, Gustav Gans, Daisy Duck, und die Donald Ducks Neffen Tick, Trick und Track. Donald Duck selbst Viktor von Duckenstein. Die Handlung selbst spielt teilweise in Ingolstadt und auf der ganzen Welt.

Titelbild von Duckenstein
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Yps mit Gimmick – Ein nostalgischer Spaziergang

Gelegentlich treffen einen Erinnerungen aus der Kindheit und lassen einen in Nostalgie schwelgen. Für mich als Volksschüler in den 1970er Jahren war das begehrenswerteste Wochenmagazin YPS mit Gimmick. Diese Kinderzeitschrift unterschied sich damals von allen anderen insofern, als jedes mal ein öfter ein mehr wertloses als wertvolles Spielzeug – das Gimmick – beigelegt war.

Dieses musste, sofern es sich um irgend etwas aus Plastik handelte, erst zusammen gebaut werden. Manchmal war es ein Pulver oder einfach eine Plastikplane, die dann fantasievoll als „Urzeitkrebse“ oder „Abenteuerzelt“ angepriesen wurden. oft waren es wissenschaftliche Gimmicks, wie ein Hygrometer – ein Feuchtigkeitsmesser, der bei mir daran scheiterte, dass ich kein Haar finden konnte, das lang genug gewesen wäre, und das sich bei Feuchtigkeitsschwankungen zusammen zog oder ausdehnte und es so gesteuert hätte – oder dass andere Teile fehlten, wie beim Zeppelin zu dem ich kein Helium hatte. Oder schlicht spielten die Eltern nicht mit, wie bei den eckigen Eiern.

Während die Gimmicks meist schnell wieder kaputt waren, blieben noch die Comics im Heft. Und die waren doch von unterschiedlicher Qualität. Es gab einige originale Comics, die nur im Yps vorkamen, wie eben Yinnie+Yan, eine Fernsehcrew, die ihre wilden Abenteuer erlebte. Oder Yps, das zugleich auch der Name eines gestreiften Kängurus war.

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Sangre – Ein Mädchen sieht rot

Ein junges Mädchen mit einer seltenen Gabe fügt einem Priester einen Schnitt nach dem anderen zu, um ihn möglichst schmerzhaft ausbluten zu lassen. Das ist der Einstieg zu einer Geschichte des umtriebigen französischen Szenaristen Christophe Arleston und von Adrien Floch gekonnt in Szene gesetzt.

Was mit erstaunlich Brutalität durch die Hände der jungen Sangre beginnt, hat eine Vorgeschichte, die Jahre zurückliegt. Ihre Eltern, die Weinhändler waren, wurden mitsamt ihrer Karawane in der phantastischen Welt von den Dunklen Skimmern massakriert. Die Skimmer bedienen sich dabei fliegender Drachenwesen, mit denen sie ihre Opfer attackieren, mit Magie und traditionellen Waffen dahinschlachten, und die Habe stehlen.

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Der Eternaut – Eine Wucht von argentinischem Comic

Der Zufall stieß mich im Dezember auf den mir bis dahin unbekannten argentinischen Comic-Szenaristen und Journalisten Héctor Germán Oesterheld. Und was für ein sensationelles Werk hat dieser unter tragischen Umständen in der Militärdiktatur „verschwundene“ Aktivist da hinterlassen.

Argentinische Nationalbilbiothek in Buenos Aires

Beim Erkunden von Buenos Aires kam ich an der Argentinischen Nationalbibliothek vorbei, ein Meisterwerk des Brutalismus, und beim Fotografieren stolperte ich über das dahinter gelegene Comicmuseum, das mit einer Ausstellung dem Schaffen Oesterhelds gedachte. So klein das Museum war, so traditionell die Ausstellung, desto interessanter waren die Exponate und wurde mein Interesse an der Person.

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