Japanische Notizbücher eines Italieners

Wer kennt das nicht? Man stöbert in einer Buchhandlung, und ein Werk sticht ins Auge, das anspricht, und dessen Schöpfer einem unbekannt ist. Igort – kurz für Igor Tuver – ein aus Sardinien gebürtiger italienischer Comickünstler, war verantwortlich für Japanese Notebooks: A Journey to the Empire of Signs. Darin dokumentierte der Künstler seine Jahre in Tokyo, wo er seit den 1990er Jahren für verschiedene Verlage sehr populäre Mangas zeichnet.

Und Igorts Stil ist vielseitig, wie man in seinen japanischen Notizbüchern erkennen kann. Halb Comic, halb Erzählung führt er uns durch seine persönliche Erfahrung mit seinen längeren und kürzeren Aufenthalten in Japan und bringt uns japanische Geschichte, Geschichten und Besonderheiten nahe. Dabei wechselt er seine Zeichenstile, um die jeweilige Erzählebene zu treffen.

Cover von Japanese Notebooks

Er erklärt westlichen Lesern die Popularität von Chrysanthemen, die Lebensgewohnheiten und auch so heikle Themen wie die traurige Geschichte der ‚Burakumin‚, Menschen die mit Blut und Körpersäften zu tun hatten. Diese inkludierten Kürschner und Lederer, Metzger aber auch Prostituierte, und zählten zur untersten Schicht der Gesellschaft. So tief verankert ist dieses Kastendenken, dass auch heute noch, Generationen später, Nachfahren der Burakumin in Datenbanken erfasst werden, auf die Unternehmen zugreifen und sie dann zumeist von Stellenbesetzungen ausschließen.

Die Japanischen Notizbücher zeigen einen Künstler auf dem Höhepunkt seines Könnens. Er integriert traditionelle japanische Zeichenkunst mit Manga und franko-belgischen Comicstilen, und wechselt nahtlos zwischen ihnen hin und her. Die Begleittexte erklären mit ruhiger Stimme Igorts Erlebnisse, Gedanken und die Geschichten, die einen tiefen Einblick in die japanische Psyche und Kultur geben.

Der Band erschien bereits 2015, die englische Fassung 2017 bei Chronicle Books und kostet $29,95

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