Von Clever & Smart zu Tilg & Aschbacher – Wie Krisen Inkompetenz schonungslos offenlegen

Wann immer die Rettung der Welt vom Trans-Internationalen Agentenring (T.I.A.) abhängig ist, holt sich der Leiter Mister L. seine zwei „besten“ Agenten, auch wenn er sie am liebsten gar nicht einberufen wollte. Mortadelo & Filemon, bei uns besser als Clever & Smart bekannt, sind neben Johnny English wohl die beiden unfähigsten Geheimagenten, die die Welt je kennen gelernt haben. Den Schurken wird vor allem deshalb das Handwerk gelegt, weil sie nicht mit der verheerenden Kraft der natürlichen Dummheit der auf sie angesetzten Agenten rechnen. Ein Phänomen, mit dem sich der bereits verstorbene Berkeley-Professor Carlo M. Cipolla Zeit seines Lebens beschäftigt hat.

Man vergisst dabei leicht, dass Inkompetenz auch an ganz prominenten Stellen bei Unternehmen und in Regierungsämtern vorkommen. in normalen Zeiten mag das kompetenten Personen durchaus offensichtlich sein, aber zu wenig Konsequenzen führen. Donald Trump in den USA oder Boris Johnson in Großbritannien haben es bekanntermaßen nicht so sehr mit Kompetenz, aber dafür mehr mit Populismus und Ängste schüren an die Spitze geschafft.

Sobald aber eine echte Krise, wie in der Form des Coronavirus, auftritt, die kompetentes und informiertes Handeln notwendig macht, und wo viele Menschenleben auf dem Spiel stehen, ist es aus mit diesen Personen. Eine Krise legt brutal und schonungslos die Inkompetenz von Führungspersönlichkeiten offen.

Ein Beispiel aus heimischen Gefilden machte Anfang dieser Woche Schlagzeilen. Nachdem hunderte Skitouristen aus Tiroler Skigebieten in ihre Länder heimkehrten und dort positiv auf COVID-19 getestet worden waren (hier eine Zusammenstellung der Ereignisse), war Feuer am Dach in Tirol und Österreich. Was liegt näher, als den Tiroler Landesrat für Gesundheit, Bernhard Tilg von der ÖVP, ins Nachrichtenstudio einzuladen und seine Meinung dazu zu hören und die Maßnahmen zu besprechen?

Doch das von ZIB2-Anchor Armin Wolf geführte Interview mit dem Landesrat wurde zum Lehrbeispiel, wie es überhaupt zu diesen Masseninfektionen kommen konnte. Der Landesrat wiederholte gezählte 11 Mal, das die Behörden keine Schuld treffe, und führte aus, dass der Virus ja nicht aus Tirol stamme, und die Touristen selber Schuld wären, weil sie sich nicht an die Empfehlung der Behörden gehalten hätten, als man sie aus den Hotels auf die Straße setzte und selbständig ihre Heimreise organisieren ließ. Stattdessen war man in Tirol mehr besorgt gewesen, was mit der Skisaison und den Wirtschaftseinnahmen geschehe, wenn man plötzlich so etwas Unwichtiges wie die Gesundheit der Gäste und der eigenen Bevölkerung in den Vordergrund stellte.

Wer das nicht glauben möchte, sehe sich dieses Interview selber an.

Tiroler Landesrat Bernhard Tilg (ÖVP) im ZIB2 Interview vom 16. März 2020

Ein paar Tage später, während der es in Österreich zu einem kompletten Shutdown des Wirtschaftslebens gekommen war und mit einem Schlag hunderttausend Menschen arbeitslos gemeldet worden waren, wollen die Betroffenen und die Öffentlichkeit verstehen, wie die Behörden mit dieser außergewöhnlichen Situation umgehen. Was liegt näher, als die Arbeitsministerin Christine Aschbacher (ÖVP) in die ZIB2 einzuladen?

Wieso auch bisher gestandene Journalisten nicht wirklich wussten, dass es eine Arbeitsministerin in der Regierung Kurz gab, im Interview wurde rasch klar, warum man bislang nichts von ihr gehört hatte oder hören wollte. Das Interview begann mit einem einstudierten Text, der von ihr hölzern und abgehackt wie von einem Roboter vorgetragen wurde. Sobald die ZIB2-Anchorin Lou Lorenz-Dittlbacher begann Fragen zu stellen, konnte Aschbacher sie nicht beantworten, wich aus, wiederholte ihr Statement und verfiel in Phrasendrescherei. Selbst der Hinweis der Anchorin, dass sie mit der Phrasendrescherei aufhören solle, half nicht, Substanzielles aus Aschbacher herauszukriegen.

Wer das nicht glauben möchte, sehe sich dieses Interview selber an. Hinweis: es ist äußerst schmerzhaft, sich das Interview anzuhören.

Arbeitsmministerin Christine Aschbacher (ÖVP) im ZIB2 Interview vom 20. März 2020

Man kann solche Performances nicht mit rhetorischen Schwierigkeiten entschuldigen. Wenn ich in einer solchen Position als Landesrat oder Ministerin bin, dann fallen unter die typische Arbeit regelmäßige Gespräche mit und die Koordination zwischen verschiedenen Interessengruppen, Verhandlungen, in denen man die jeweiligen Seiten zusammenbringen und überzeugen muss. Um das effektiv und erfolgreich machen zu können, muss ich schon im Vorhinein eine gewisse rhetorische Fähigkeit mitbringen. Nur damit kann ich meinen Job gut machen. Eigentlich kann ich meinen Job damit überhaupt erst machen.

Es bleibt aber nicht bei der rhetorischen Kompetenz. Ich sollte auch komplexere Sachverhalte erfassen, Fakten und Meinungen abwägen und darauf basierend Entscheidungen treffen und Vorgehensweisen vorschlagen können. Allein in dieser täglichen Arbeit sollte ich als Landesrat oder Minister von all den Problemen, Erfahrungen, Vorschlägen, Modellen, Maßnahmen, gesetzlichen Vorschriften und Meinungen gehört haben, und somit eine Übersicht zum Stand der Dinge erhalten haben.

Was aber Landesrat Tilg gezeigt hat, dass er und seine Behörden die Situation nicht nur falsch eingeschätzt haben, sondern auch noch zu späte und selbst dann falsch reagiert haben. Und das vermutlich weil es hier zu state capture gekommen ist. Das ist ein System der politischen Korruption, bei der mächtige Interessengruppen die Gesetze für sich schreiben lassen und Handlungen der Behörden zu ihrem Vorteil bestimmen. Das geschieht oftmals zum Schaden der Allgemeinheit. Auf gut österreichisch sprechen wir hier von „Filz“ und „Freunderlwirtschaft“ (Vetternwirtschaft).

Gleichzeitig zeigte Bernhard Tilg keine Einsicht. Sein wiederholter Verweis darauf, dass „die Behörden richtig reagiert haben“, lässt eine Fehlereinsicht und zukünftige Verbesserungen mit ihm an der Spitze nicht zu. Die Organisation und die Leitung erweisen sich als lernresistent. Damit haben Tilg und die gesamte Tiroler Landesregierung womöglich Tote auf dem Gewissen. Es sollte genau verfolgt werden, welche der Infizierten aus anderen Ländern und aus Österreich das nicht überleben.

Der Fall der Christine Aschbacher ist etwas anders. Ihre Inkompetenz kommt weniger aus state capture und Uneinsichtigkeit, sondern viel mehr aus fehlenden Qualifikationen. Sie ist – wie im Interview und selbst bei Vorträgen im Parlament so schmerzhaft offensichtlich wurde – nicht in der Lage, zu kommunizieren und Sachverhalte zu verstehen. Die Tatsache, dass sie einen einstudierten Text hölzern vortrug, und das auch noch schlecht, und dann keine Aussagen zu für jeden offensichtlichen Fragen machen konnte, zeigt, wie groß der Unterschied zwischen ihrer Qualifikation und den Anforderungen für eine Ministerin oder jede wie auch immer geartete Führungsposition ist.

Die Frage, die sich zuletzt aufdrängt, ist, wie diese Inkompetenzler in ihre Positionen gekommen sind? Welche ihrer Eigenschaften haben dazu geführt, dass sie diese Posten erhalten haben? Und wer hat da versagt? Die Antwort beinhaltet wohl solch Faktoren wie Loyalität – oder anders ausgedrückt: „Arschkriechen“ – den Ausgleich zwischen Interessensgruppen und Nominierung auf den kleinsten gemeinsamen Nenner, oder der Belohnung der größten Spendenaufbringer. Die Rhetorik des Sebastian Kurz gibt einen Einblick, in wie weit hohle Phrasen und eine Verweigerung auf das Eingehen auf Fragen und Sachverhalte Inkompetenz zu kaschieren versucht. Die Verantwortung für Versagen und Inkompetenz liegt immer ganz oben an der Spitze.

In normalen Zeiten gelingt es Inkompetenzlern oft, ohne groß Aufmerksamkeit zu erwecken, ihre Position zu erhalten. Der darunter liegende Apparat läuft auch ohne sie weiter. Sobald aber eine Krise eintritt, die kompetentes und zügiges Handeln und Entscheidungen in einer dynamischen Situation von verwirrenden und widersprüchlichen Informationen erfordern, trennt sich die Spreu vom Weizen in brutaler Offensichtlichkeit. Das sehen wir in den USA mit DonaldTrump, in England mit Boris Johnson, und bei uns mit Bernhard Tilg und Christine Aschbacher.

Während das bei Comicstrip- und Filmfiguren wie Clever & Smart oder Johnny English als Folge nur unsere gelungene Unterhaltung hat, wirkt sich das bei Landesrat Bernhard Tilg in Tote und bei Arbeitsministerin Christine Aschbacher in die Vernichtung von Existenzen aus. Das alleine sind ausreichend Gründe, die beiden und eine ganze Reihe anderer aus ihren Positionen unverzüglich zu entfernen.

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