Ein Rücktritt und eine Nicht-Entschuldigung – Die PlagiatsAffäre Christine Aschbacher

Mitten in der schwersten Pandemie seit 100 Jahren, mit einer Wirtschaftskrise bei der viele Selbständige, Berufstätige und Familien um ihre Existenz kämpfen, fällt dem Arbeitsministerium eine bedeutende Rolle zu, wie die Sicherstellung von Kurzarbeit, dem Arbeitnehmerschutz oder Vermittlung von Arbeitsplätzen in den sogenannten systemrelevanten Berufen.

Unter dem österreichischen Ministerium fallen gleich drei Kategorien zusammen: Arbeit, Familie und Jugend. Das bedeutet auch den Schutz in solch einer Krisensituation von besonders gefährdeten Arbeitnehmern wie Schwangeren, aber auch Familien mit Kindern und deren speziellen Situation mit schulpflichtigen Kindern, die von zuhause dem Schulunterricht folgen müssen, während die Eltern vielleicht selbst in ihren Jobs unabkömmlich sind und die Kinder nicht betreuen können.

Mit anderen Worten: einem zuständigen Minister wird einiges abverlangt. Gerade in dieser Situation wünscht man sich – und darf sich in einem Land wie Österreich auch erwarten – kompetente Leadership. Immererhin geht es um nichts weniger als die Existenzgrundlagen von vielen Menschen in Österreich.

Auftritt: Christine Aschbacher

Wäre da nicht die ÖVP-Ministerin Christine Aschbacher. Sie stammt aus einer Familie, aus deren Reihen mehrere ÖVP-Politiker stammen und die innerhalb der Partei gut vernetzt ist. Und das scheint auch schon die einzige Qualifikation für den Job als Arbeitsministerin gewesen sein.

Aufgefallen ist Aschbacher nämlich schon im März 2020, zu Beginn der COVID-Krise als in die ZIB2 geladen worden war. Ihr Auftritt dort war gelinde gesagt eine Katastrophe. Ohne eine einzige Frage der ZIB2-Moderatorin zu beantworten wiederholte sie mechanisch wie ein Roboter einstudierte Sätze, die nichts mit den Fragen zu tun hatten.

Plagiatsaffäre

Was damals schon verwunderte, sollte sich mehrmals wiederholen und diese Woche ihren Höhepunkt finden. Der österreichische Plagiatsgutachter Stefan Weber hatte sich die Diplomarbeit der Ministerin an der FH Wiener Neustadt aus dem Jahr 2006 zu Gemüte geführt und dabei viele Ideen- und Textplagiate, also nicht richtig zitierte oder gar nicht zitierte und angeführte Teile, in der Arbeit gefunden. Des weiteren fanden sich absolute Stilblüten in der Arbeit, die weder richtigem Deutsch entsprachen, noch einen Sinn machten, und vor Trivialitäten trieften.

Ihre 2020 eingereichte und verteidigte Dissertation an der Slowakischen Technischen Universität in Pressburg wurde einer ähnliche Analyse von Stefan Weber unterzogen, und das Urteil fiel genauso vernichtend aus. Mindestens 21 Prozent der Arbeit stellten sich als Plagiate heraus, und ähnlicher Kauderwelsch fand sich in der Arbeit.

Sowohl die FH als auch die Technische Universität überprüfen nun die Arbeiten. Beide wurden übrigens mit der Note ‚Sehr gut‘ beurteilt.

Kavaliersdelikt?

Vielleicht ein Nebenkommentar dazu: In einer Diplomarbeit oder Dissertation Plagiate zu vewenden, ist kein Kavaliersdelikt. Eine solche Vorgehensweise stellt nicht nur eine Watsche für jeden/jede dar, dem/der eine solche wissenschaftliche Arbeit viel Zeit und Mühe gekostet hat, sie stellt auch ein Erschwindeln von Privilegien dar, die nicht auf erbrachter Leistung beruhen. Stellenausschreibungen bei Behörden und bei Unternehmen setzen für manche Posten gewisse Voraussetzungen voraus, wie eben ein abgeschlossenes Studium oder ein Nachweis wissenschaftlicher Arbeit. Eine Dissertation oder Diplomarbeit dienen dazu, diese Beweis zu erbringen.

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Damit eröffnen sich entsprechend verantwortungsvolle und bezahlte Stellen, die anderen ohne entsprechende Qualifikation verschlossen bleiben. Man wünscht sich doch auch eine Chirurgin für eine Operation oder einen Zimmermann, die studiert oder gelernt haben, wie man eine Blinddarmoperation sicher und erfolgreich durchführt oder einen Dachstuhl aufsetzt, der nicht über dem eigenen Kopf einstürzt.

In einer Krisensituation wie der COVID-Pandemie benötigen die Bürger des Landes eine Arbeits-/Familien-/Jugendministerien, die weiß was sie tut, und nicht nur nicht zu kommunizieren weiß, die Zeit findet ihre Dissertation während einer Pandemie zu beenden und verteidigen und schon gar nicht Plagiatsgeschwängerte Arbeiten abgibt.

Das Rücktrittschreiben

Ausgesprochen interessant ist nun das Rücktrittschreiben Christine Aschbachers vom 9. Jänner 2021 um 19:24 via OTS:

Persönliche Erklärung Bundesministerin Aschbacher

Wien (OTS) – Die Aufgabe in der Bundesregierung als Ministerin für Arbeit, Familie und Jugend hat mich zutiefst erfüllt. Meine Arbeit als Ministerin habe ich mit vollem Einsatz für dieses Land geleistet und mit meinem Team das Beste gegeben.

Meine Arbeiten zur Erlangung akademischer Grade habe ich stets nach bestem Wissen und Gewissen verfasst und der Beurteilung durch anerkannte Professoren vertraut. Alle jetzt erhobenen Vorwürfe, ich hätte die Arbeit während meiner Amtszeit als Ministerin verfasst und ich hätte vorsätzlich plagiiert, sind Unterstellungen und weise ich zurück. Diese Arbeiten werden von den jeweiligen Instituten, wie bei jedem anderen auch, auf üblichem Weg geprüft. Ein solches faires Verfahren steht jedem in diesem Land zu. So wie es bereits anderen, etwa Thomas Drozda, Johannes Hahn oder Bogdan Roscic und anderen zugestanden wurde.

Meine Familie und ich erleben aber, dass die Medien und die politischen Mitstreiter, mir dieses faire Verfahren der Überprüfung nicht zugestehen und mich medial in unvorstellbarer Weise vorverurteilen.

Die Anfeindungen, die politische Aufgeregtheit und die Untergriffe entladen sich leider nicht nur auf mich, sondern auch auf meine Kinder, und das mit unerträglicher Wucht. Das kann ich zum Schutz meiner Familie nicht weiter zulassen. Aus diesem Grund lege ich mein Amt zurück. Darüber habe ich heute Bundeskanzler Sebastian Kurz in einem persönlichen Gespräch informiert.

Ich danke herzlich meinen Kolleginnen und Kollegen in der Bundesregierung und meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in meinem Kabinett, dem Ministerium mit den Arbeitsinspektoraten, dem AMS und dem IEF, sowie der FBG, für die hervorragende Teamarbeit in dieser herausfordernden Krisenzeit.

Ich bin überzeugt, dass sie weiter für dieses wunderschöne Land und seine Menschen ihr Bestes geben und wünsche dabei viel Glück.

Ihre Christine Aschbacher

Analyieren wir dieses Rücktrittschreiben

Im ersten Absatz schreibt sie von der persönlichen Erfüllung der Arbeit als Ministerin und wie ihr Team und sie ihr Bestes gegeben haben. Hier ist natürlich eigen Bewertung möglich, denn was sie selbst als ‚Bestes‘ bezeichnet, ist vielleicht das Beste für ihre Möglichkeiten, heißt aber nicht dass die Arbeit objektiv die Beste war.

Im zweiten Absatz weist sie die Plagiatsvorwürfe zurück, die trotz der nun bekannten Analyse von Stefan Weber ziemlich gut dokumentiert sind. Auch hier führt sie wieder ihren persönlichen Eindruck nach Qualität ihrer Arbeit mit der Formulierung ‚bestem Wissen und Gewissen‘ an. Auch hier gilt: sie mag es zwar als ‚beste Wissen und Gewissen gemäß ihren Standards bezeichnen, hätte aber nie so beurteilt werden dürfen. Hier sind auch die Betreuer und Prüfer dieser Arbeiten zur Rechenschaft zu ziehen und sowohl an der FH Wiener Neustadt als auch in Bratislava die Standards neu zu überprüfen und anzupassen.

Weiters fühlt sie sich unfair behandelt. Sie gibt hier keine Schuld zu und weist diese Vorwürfe zurück.

Noch interessanter wird es aber dann im dritten und vierten Absatz. Sie macht sich dort zum Opfer, indem sie auf ‚politische Aufgeregtheit und Untergriffe‘, sowie auf den ‚Schutz ihrer Familie‘ hinweist. ich toleriere klarerweise keinerlei Untergriffe, Drohungen oder Angriffe gegen Aschbacher und ihre Familie, aber sie dreht hier klar die Täter-Opfer-Situation um. Nicht sie ist die Täterin, die sich durch Erschwindeln von akademischen Titeln mit plagiierten Arbeiten von unwissenschaftliche Qualität es auf Topposten in der Regierung schaffte und damit qualifizierteren Personen diese Stelle wegnahm, ein Gehalt einer Behörde bezog, das ihrem Ausbildungsgrad nicht zustand, und eine Stelle in einer Krisensituation besetzte, zu der sie offensichtlich nicht befähigt war, sondern sie sei das Opfer.

Die Nicht-Entschuldigung

Man beachte, dass Christine Aschbacher in keinem einzigen Satz ihres Rücktrittschreiben ein Eingeständnis ihres Schwindels macht und sich auch nicht vor ihren KollegInnen, den BürgerInnen, oder ihrer Familie entschuldigt.

So sehr ihr Rücktritt zu begrüßen ist, so sehr fehlt das Eingeständnis des eigenen Fehlverhaltens. In ihrem Verständnis sieht sie sich als Opfer, nicht als Täterin, und damit auch die mangelnde Notwendigkeit, ihr Fehlverhalten aufzuarbeiten und zukünftiges Verhalten zu ändern. Und das öffnet die Türen für einen Opfermythos den sie um sich aufbauen könnte.

Wie wird’s jetzt weitergehen? Zuerst mal ist es wahrscheinlich, dass sie ihre akademischen Titel verlieren wird. Für die FH Wiener Neustadt und die Technische Universität Bratislava sind das sehr peinliche Momente, die bei zukünftigen Finanzierungsberücksichtigungen durch die öffentliche Hand zu Problemen führen könnten. Und Aschbacher selbst wird vermutlich noch mit einem Gerichtsverfahren wegen Täuschungsabsicht zu rechnen haben, die ihr Schwindel den österreichischen Steuerzahler gekostet hat.


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Ein Gedanke zu „Ein Rücktritt und eine Nicht-Entschuldigung – Die PlagiatsAffäre Christine Aschbacher“

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