Cyber Bullying

Wie können Männer Frauen gegen Cyberbullying helfen?

Als recht aktiver Benutzer aus sozialen Medien kommen einem ja auch hin und wieder ein Troll oder ein Kommentar unter, die Zweifel an der Entwicklung des Menschen aufkommen lassen. Als weißem Mann erscheint mir das eher lästig, doch scheue ich nicht vor dem Ausfechten eines Strauß zurück. Rhetorisch musste ich mich schon in der Vergangenheit behaupten, nämlich als die zweite Hälfte meines Forschungsprojektes für die Dissertation einen Personalwechsel bei der sponsernden Firma unterging und plötzlich Politik statt Sachlichkeit im Vordergrund standen, und gleich mehrmals während meines Militärdienstes. Auch da versuchten mehrere Personen durch Mobbying und Bullying ihren Willen durchzusetzen. Blöd nur, wenn man in der Mitte sitzt.

Fall 1: Frauen aus Kultur, Forschung und Politik

Das ist allerdings kein Vergleich zu dem, was ich beobachte, wenn es Frauen die Betroffenen sind. Seit einiger Zeit folge ich – nach Aufruf des deutschen Cartoonisten Ralph Ruthe, der auf Twitter fragte, welchen interessanten Twitter-Accounts von Frauen er folgen solle – ein paar dieser interessanten Accounts. QuattroMILF, Natascha Strobl oder die amerikanische Kongressabgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez sind dabei einige dieser Frauen. Die erste, Jasmina Kuhnke, ist vierfache Mutter mit deutsch-afrikanischen Wurzeln und Comedy-Schreiberin und Comedienne, die sich mit scharfer Zunge gegen Rassismus – den sie selbst hautnah erlebt – gegen Rassisten und Nazis einsetzt. Natascha Strobl ist österreichische Politikwissenschaftlerin, Autorin, Analystin, Publizistin und vor allem eine Expertin zu Rechtsextremismus und Politik, die messerscharf die Logik und rhetorischen Kniffe von rechten Altherrenrunden, Politikern, Donnerweibern und sonstigen rechten Recken zerlegt. Alexandria Ocasio-Cortez, bekannt auch unter ihrem Kürzel AOC, wiederum ist die jüngste Kongressabgeordnete der demokratischen Partei mit puerto-ricanischen Wurzeln, die sich aus der Armut durch Kellnerinnenjobs und als Jahrgangsbeste im Studium in die Politik hinaufgearbeitet hat.

Allen drei Frauen ist gemein, dass sie sehr selbstbewusst sind, Experten in ihrem Gebiet, redegewandt und unheimlich klug. Ihren Positionen, Argumenten und Aussagen kann ich zumeist zustimmen, und wenn nicht, dann finde ich diese jedenfalls sehr interessant. Drei sehr interessante Frauen, deren Beiträge ich sehr inspirierend und als Bereicherung empfinde.

AlphaSophia and me

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Ebenso gemein ist den Dreien leider, dass sie ununterbrochen den übelsten Angriffen im Internet von Männern ausgesetzt sind, die sie in aller möglicher Weise beschimpfen, zurechtweisen wollen und sogar vor Vergewaltigungs-, Gewalt- und Morddrohungen nicht zurückschrecken.

Nun könnte ich die Schultern zucken, und behaupten, es ginge mich nichts an. Nicht mein Fach, nicht mein Kampf. Doch das stimmt so ja nicht. Es sind nicht nur diese drei Frauen, sondern eine ganze Menge anderer, die solchen Attacken übelster Sorte ausgesetzt sind. Zwei zeitgleiche Begebenheiten aus meinem Feld haben sich vor einigen Tagen zugetragen, die zeigen, wie weit verbreitet Cyberbullying gegen Frauen in der öffentlichen Sphäre ist.

Fall 2: Künstliche Intelligenz bei Google

Da war zuerst mal die Entlassung der aus Äthiopien stammenden KI-Expertin Timnit Gebru bei Google. Ihr Forschungsschwerpunkt lag bei den Problemzonen von künstlicher Intelligenz, die von weißen und asiatischen Männern dominiert wird und deshalb systematisch zu Verzerrungen bei den Maschinenlerndaten führt, die Frauen und Minderheiten benachteiligen. Gebru stellte bei Google ein Team zusammen, das diese Problemen aufspüren, wissenschaftlich bearbeiten und beheben sollte.

Was geschah, war etwas anderes. Während ihres Urlaubs im November/Dezember wurde sie unter Umgehung ihres direkten Vorgesetzten entlassen – offiziellem Duktus zufolge wurde ihre ‚Eigenkündigung‘ akzeptiert – und nach öffentlichem Protest und Google-interner Revolte wurden fadenscheinige Argumente vorgebracht, dass sie sich nicht an interne Prozesse bei der Veröffentlichung eines neuen Forschungsschrift gehalten habe. Was natürlich nicht stimmte. Bei einer internen Mitarbeiterversammlung mit farbigen Google-Mitarbeitern durften keine Fragen gestellt werden. Selbst der US-Senat schaltete sich mittlerweile ein und bat Google-CEO Sundar Pichai nach Details zu diesem ‚ungewöhnlichen‘ Vorgang.

Fall 3: Podiumsdiskussion zu KI ohne Frauen

Gleichzeitig mit der Entlassung Timnit Gebrus von Google wurde ich auf eine Online-Podiumsdiskussion aufmerksam, bei der sich zwei Frauen, beide KI-Forscherinnen, eine an der California Institute of Technology und die andere bei Mozilla sind. Erstere ist die aus Indien stammende CalTech-Professorin Anima Anandkumar, die zweite eine vietnamesisch-stämmige KI-Forscherin. Sie befanden sich beide auf einer Einladungsliste zu einer Online-Podiumsdiskussion mit KI-Experten. Die Veranstaltung wurde von einem gewissen Zachary Todd Liberman organisiert.

Abgesehen davon, dass Tim O’Reilly selbst nichts davon wusste, dass mit seinem Namen Werbung gemacht wurde, wurden Frauen einfach ausgeladen, sobald sie nach weiblichen Diskussionsteilnehmern fragten.

Auf die Frage – vor allem wo doch auch KI-Ethik auf dem Programm stand, wurden die Frauen einfach nicht reingelassen oder sogar aktiv aus der laufen Veranstaltung entfernt.

Die darauf folgende Diskussion auf Twitter und E-Mail führte zu Drohungen des Veranstalters und Untergriffen von einem emeritierten Forscher der University of Washington, Pedro Domingo, gegen diese Frauen.

Wie man auch aus fast allen Fällen sieht, sind vor allem Frauen mit Migrationshintergrund noch viel stärkeren und übleren Angriffen ausgesetzt.

Fall 4: Der Doktortitel von First Lady Jill Biden

War das noch nicht genug, so erblödete sich ein gewisser Joseph Epstein in einer Meinungskolumne des Wall Street Journal, dessen Redaktion wohl genauso versagt haben musste, wie der 87-jährige Epstein, indem er die Frau des kommenden US-Präsidenten Joe Biden, nämlich Jill Biden, maßregelte, dass sie ihren Doktortitel anführt, aber dabei keine Ärztin wäre, sondern nur einen Doktor der Philosopie habe, der, gemäß Epstein, der selbst nur einen Bacheloor-Abschluss hat, kein richtiger Doktortitel sei.

Nicht nur würdigte er die Leistung von Jill Biden und den Inhalt ihrer Arbeit herab, er nannte sie auch „kiddo“, das Äquivalent von „Herzchen“ im Deutschen. Die einzig richtige Antwort gab Wharton-Professor und Bestsellerautor Adam Grant in einem Beitrag auf LinkedIn. Er ‚übersetzte‘ Epsteins Kolumne und Argumente, indem er Epsteins eigenen Unzulänglichkeiten, Frauenfeindlichkeit und Borniertheit offenbarte. Der Effekt auf Epsteins Kolumne war aber eine andere, als sich der Greis erwartet hatte: seither führen viele erfolgreichen Frauen ihren Doktortitel erst recht auf LinkedIn und Twitter und auf öffentlichen Veranstaltungen.

Was können Männer tun um zu helfen?

Ich kenne keine dieser Frauen persönlich, und Misogynie ist leider nichts Neues. Doch ich will dem nicht länger nur zuschauen. Ich finde es nicht nur eine Schande, dass da etliche Männer (und auch einige Frauen) – mehr als man meinen möchte – glauben, sie könnten ungestraft Frauen öffentlich verbal attackieren und ihnen und ihren Familien mit Gewalt drohen. Ich finde es auch schade, dass damit wichtige Stimmen und Meinungen dieser Frauen unterdrückt werden. Wie viele Frauen haben sich aus dem öffentlichen Diskurs wegen solcher ungestraft gebliebenen Anfeindungen zurückgezogen?

Was also können wir tun? Und damit meine ich vor allem Männer, die dem Treiben von solchen Cyberbullies nicht länger zuschauen wollen? Es genügt nicht, dass nur die Frauen sich hilfreich zur Seite stehen, sondern auch Männer müssen zeigen, dass sie solch ein Verhalten nicht tolerieren. Doch die Frage ist wie?

Mit meiner Hilfe will ich nicht selbst zum Problem für die Frauen werden. Die Art, wie ich mit Cyberbullying gegen mich umgehe, ist vermutlich nicht dieselbe, mit der Frauen das lösen wollen. Auch soll nicht der Eindruck entstehen, dass erst wieder nur Männer ein von Männern verursachtes Problem lösen können. Ich suche hier nach Richtlinien, wie ich und andere gleichgesinnte Männer Frauen beistehen können. Was sind effektive Maßnahmen gegen Cyberbullies und welche können und sollen wir Männer unter Führung von Frauen einsetzen?

Lasst mich wissen, speziell Frauen bitte ich darum, was Ihr Euch von jemanden wie mir als Hilfe erwarten würdet, wenn ihr Opfer einer solchen Attacke werdet, nicht zurückstecken wollt, und Unterstützung braucht. Danke!

Ein Gedanke zu „Wie können Männer Frauen gegen Cyberbullying helfen?“

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