Mata Hari

Seit Jahren lese und sammle ich Comics. Begonnen hat das – wie sonst – in der Kindheit, wo wir einmal die Woche in ein Romantauschgeschäft gehen durften und gegen zehn mitgebrachte alte Comics zehn andere alte Comics um 10 Schilling tauschen durften. Die meisten Comics hatte ich noch am selben Tag verschlungen.

Was ich damals nicht so verstand war, dass viele der getauschten Comics eigentlich Comichefte waren, wo von einem Comicalbum nur ein paar Seiten abgedruckt waren. Also anstatt einer ganzen Schlumpfgeschichte waren gerade mal vier oder acht Seiten aus einem üblicherweise 40-60-seitigen Album abgedruckt.

Das Comiclesen schlief aber als Teenager ein, und ich hörte damit auf. Erst als Erwachsener stieß ich im französischen Orléans auf einen Comicladen, der zu meiner Überraschung nicht von Kindern, sondern vor allem von Erwachsenen besucht wurde. Ich blätterte mich durch eine Reihe von Alben bis ich über eine Seite stolperte, die ich aus der Französischklasse im Gymnasium kannte. Eine ursprünglich im legendären Comicmagazin Pilote abgedruckte Doppelseite von Marcel Gotlieb war dort in einer Gesamtausgabe drin.

Und so begann meine Sammelleidenschaft von franko-belgischen Comics – oder, wie die Franzosen sagen – BDs (bandes dessineés), bei der ich über die Zeit nicht nur die nun vollständigen Alben der Helden aus meiner Kindheitsgeschichte erwarb, sondern vor allem lernte, generell die Kunst und Arbeit hinter den BDs zu verstehen. So habe ich seit Jahren immer zumindest eine französische Comiczeitschrift abonniert, die auf die Szenaristen, Zeichner und Koloristen eingeht, sie vorstellt, und die Neuerscheinungen kommentiert. Aktuell bin ich begeisterter Leser der Casemate, die Comics nicht nur vorstellt, sondern auch näher bringt und aus der „Szene“ berichtet.

Mata Hari

Bei einem Besuch in Straßburg fiel mir ein wunderschön gezeichnetes und koloriertes Album aus dem weniger bekannten Pariser Verlag Éditions Daniel Maghen in die Hand, der die Geschichte der Mata Hari erzählt. Die als Margaretha Geertruida Zelle in den Niederlanden geborene Exotiktänzerin hatte um die Jahrhundertwende und während des ersten Weltkriegs Europa mit ihren Künsten und Charme fasziniert.

Unsterblich aber wurde ihr Ruhm durch ihre Tätigkeit als Spionin für die Deutschen in Frankreich, die nach der Aufdeckung zu einer Verurteilung zum Tode 1917 führte. Ihr Leben und Schicksal fasziniert nach wie vor die Menschen, weil sie alle Elemente – Sex, Liebe, Geld, Berühmtheiten, Krieg, exotische Länder – beinhalteten, die eine gute Spionagegeschichte ausmachen.

Die Szenaristin Esther Gil und ihr Mann, der Zeichner des Albums, Laurent Paturaud, legen eine gekonnt gezeichnete und erzählte Interpretation der berühmten Spionin vor. Der Zeichenstil ist sehr traditionell und detailliert, und lässt die Leser in die damalige Zeit eintauchen.

Ich selbst habe übrigens eine Reihe an Instagrambildern, die ich unter dem Begriff Café & BD poste. In meinen Lieblingscafés lese ich bevorzugt die neuesten Alben. Wer mir auf Instagram folgen will, ist herzlich dazu eingeladen.

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