Wie ich Bücher schreibe

Auf zwei Dinge ist man als Autor nicht so wirklich vorbereitet. Einerseits die Tatsache, dass Leser eine Widmung im Buch haben wollen, andererseits die Frage, wie ich vorgehe um meine Bücher zu schreiben. Für erstere Bitte habe ich mir eigene Faserstifte angeschafft (Kugelschreiber eignen sich nicht wirklich dafür), und für die zweite Frage raffe ich mich nun endlich auf, diesen Beitrag zu verfassen.

Also, wie mache ich das, das Bücher schreiben? Bislang habe ich 12 Bücher geschrieben und aktuell zwei Bücher in Vorbereitung. Für eines habe ich bereits einen Verlag und ein Abgabedatum, für das andere noch nicht.

Von den 12 Büchern sind sechs in einem Verlag erschienen, und die anderen sechs habe ich auf Amazon mit Createspace eigenverlegt. Dazu aber später noch mehr.

Mein Prozess ist für mich der geeignetste, und ich möchte nicht den Eindruck erwecken, er sei der einzig richtige. Jeder/Jede hat seinen/ihren einen Arbeitsstil, aber es kann helfen zu verstehen wie andere Autoren arbeiten um sich Tricks abzuschauen.

Der Beginn

Die größte Hürde beim ersten Buch scheint die Frage, wie man am besten beginnen soll. Bei mir steht meistens eine Idee im Raum, und es macht nichts, wenn die noch nicht ausgereift ist. Sie dient als Kristallisationspunkt für das Thema und einen möglichen ‘Spin’ wie ich in das Thema rangehen möchte. Zumeist habe ich einen Arbeitstitel, der aber oft nicht der endgültige ist. Meistens kommt im Laufe der Arbeit am Buch ein Titel hoch, der knackig und provokant ist, und Leser zum Buch greifen lässt.

Für mich funktioniert es am besten einfach ein Word-Dokument auf meinem Desktop mit dem Arbeitstitel zu legen. Dieses Dokument lasse ich zumeist offen um jederzeit Notizen eintragen zu können. Ich bevorzuge eine lokale Version, damit ich auch unabhängig von einer Internetverbindung auf meinen Reisen und Arbeit vom Kaffeehaus oder Hotelzimmer bin.

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Mein Computer Desktop mit drei Word-Dokumenten zu zwei Büchern, an denen ich 2018 schreibe und die beide 2019 erscheinen.

Der Ort

Tatsächlich schreibe ich mehr als die Hälfte der Zeit in einem Kaffeehaus, zumeist bei einem Starbucks, der 15 Gehminuten von mir zuhause weg ist und mir damit einen ‘Miniarbeitsweg’ verschafft, oder anderen Cafés mit gutem Kaffee, köstlichen Croissants und guter Internetverbindung. Cafés, wo es eben nicht zu laut aber auch nicht zu leise ist, und der Kaffeehaustisch eine bequeme Höhe hat. Ich bin also sprichwörtlich ein Kaffeehausliterat.

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Im Café Central in Wien. Dort in Ruhe zu verweilen geht nur vormittags bis 11 Uhr, dann wird es brechend voll und laut.

Die andere Zeit sitze ich zuhause an meinen Schreibtisch, auf dem ich einen zweiten Monitor habe, der mir eine besser Übersicht gestattet. Den brauche ich manchmal, vor allem wenn ich an Diagrammen arbeite, die ich auch in manchen Büchern drin habe. Speziell das 13. Buch, das im Querformat erscheinen wird, zwingt mich stärker auf dem großen Monitor zu arbeiten, da ich gerne die Seiten nebeneinander habe. Auch werden in diesem Buch Arbeitsblätter vorkommen, die ich dann immer auf der rechten Seite haben möchte, sowie zwischen ein und vier Spalten auf den Seiten sein, die ich zu meinem besseren Verständnis layoutiere und um es dem Layouter besser vorzugeben.

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Hier ist ein Bildschirmbild von meinem im Frühjahr 2019 erscheinenden Buch, das ein Querformat haben wird, und wo ich jeweils zwei Seite nebeneinander habe.

Mein Schreibtisch ist ganz einfach gehalten, und sieht ein bisschen unaufgeräumt aus, er ist meisten mit Büchern überladen und der Raum von Sonne durchflutet.

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Mein Schreibtisch zuhause.

Die Zeit

Meine beste Tageszeit um am Buch kreativ zu schreiben ist am Vormittag. Nachmittags oder Abends mache ich eher Routinearbeiten, bei denen ich nicht so viel nachdenken muss, wie beispielsweise E-Mails oder diesen Blog. Beim Schreiben am Buch muss ich irgendwie mehr Speicher in meinem Hirn füllen, da ich den Gesamtzusammenhang nicht verlieren will, um nicht dieselbe Aussage mehrfach zu machen an verschiedenen Stellen des Buches, oder etwas zu vergessen. Und dieses Hirnfüllen benötigt einiges an ‘Ladezeit’ und strengt mehr an.

Mein Hirn ist in weiterer Hinsicht interessant, weil ich Bücherschreiben wie ein Strukturieren, Füllen von Wissenslücken, aber auch Ablegen meines Wissens aus dem ‘Speicher’ sehe. So wie bei Harry Potter die Zauberer ihre Erinnerungen mit dem Zauberstab in ein Schälchen ablegen und sich somit von ihnen entlasten, so sehe ich das mit meinen Büchern. Sie sind mein ‘Braindump’ und helfen mir gleichzeitig mir nicht jedesmal in Gesprächen den Mund fusselig zu reden, sondern anderen meine Gedanken auf diese Weise zu vermitteln und dann auf gleicher Wissensbasis spannendere Gespräche zu führen.

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Dumbledore beim Auslagern seiner Erinnerungen mit dem Zauberstab.

Ich versuche dabei alle meine Termine in der Woche an einen Tag zu legen. An meinem ‘Meetingtag’ weiss ich dann, dass ich zu keinem produktiven Schreiben komme. An meinen Schreibtagen ziele ich auf drei bis vier Stunden aktives Schreiben hin. Das kann zu einer halben Seite Fortschritt, oder aber auch zu zehn Seiten führen. Je nachdem, wie viel ich nachrecherchieren muss, ob ich einen Absatz mit vielen Zahlen und Berechnungen habe, und wie ich generell drauf bin. Manchmal kann man es einfach nicht forcieren.

Das Dokument

Mein Word-Dokument ist was die Formatierung betrifft sehr minimal gehalten. ich verwende zumeist eine Standardvorlage, mit mehreren Überschriftenebenen und einfachen Textformatierungen. Die Produktion überlasse ich lieber den Profis vom Verlag.

Die erste Seite hat immer den Titel des Buchs und Variationen des Untertitels. An denen feile ich immer herum oder spiele mit Variationen, die sich erst später auf einige wenige Optionen einschränken. Manchmal kommt einem der endgültige Titel und eine gute Unterschrift in einem der vielen Gespräche, die ich mit Leuten über das Buch führe und aktiv suche. Je öfter ich mit Leuten darüber spreche, desto mehr erhalte ich Feedback und erkenne, was funktioniert, wo’s klickt, und wo mein Pitch nicht funktioniert und ich klarer werden muss.

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Aktuelle erste Seiten meiner zwei 2019 erscheinenden Bücher, mit Varianten von Untertiteln.

Die Recherche

Da ich vor allem Sachbücher schreibe, sind Recherchen und Interviews sehr wichtig und zeitaufwendig. Pro Jahr lese ich zwischen 30 und 50 Bücher, neben Zeitschriften und Online-Artikeln. Interessante Stellen in den Büchern markiere ich dabei mit Post-it Notizzetteln, die ich dann Satzweise oder ganze Paragraphen als Notizen in mein Rohmanuskript übertrage.

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Gelesene Bücher, gespickt mit Post-it-Notes, die ich dann in mein Rohmanuskript übertrage.

Diese Post-it-Notes verwende ich deshalb, weil es für mich Bücherfreund nichts schlimmeres gibt als mit Stiften markierte Bücher oder umgeknickte Seiten. Leute die so etwas tun sind Mörder!

Da ich viel zwischen USA und Europa reise, schaffe ich auf jeder Reise zwischen zwei und vier Bücher durch. Ich schaue eben keine Filme im Flieger oder versuche mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu reisen, sofern das möglich ist.

Mein Prinzip ist, dass ich abwechselnd ein Buch lese, das mit meinem aktuellen Buch zu tun hat, und dann immer eines, das eben außerhalb dieses Faches ist. Damit ich eben nicht zehn Bücher zu künstlicher Intelligenz hintereinander lesen muss, wechsle ich das ab. Das erspart mir Langeweile, bringt aber auch neue Impulse, da oft die fachfremden Bücher unerwartete Einsichten für mein aktuelles Thema bringen.

Und ich lese die Bücher *nicht* auf einem e-Reader. Ich habe die physischen Bücher auf Papier, die ich dann auch kiloweise auf meinen Reisen mitschleppe. Für mich funktioniert das nicht nur wegen dem Markieren mit den Post-it-Notes besser, ich merke mir die Inhalte auch irgendwie besser. Jedenfalls landen die Bücher dann alle in meiner umfangreichen Bibliothek, die auf den Bücherregalen zumeist in zwei Reihen stehen.

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Mein ‘Arbeitsregal’, wo auf dem obersten Regal die ungelesenen Bücher stehen (ca. 100 Stück) und darunter einige der gerade für die Arbeit aktuellen und bereits gelesenen.

Neben Büchern abonniere ich auch Newsletter, Hänge in Online-Foren herum, und lese jede Menge an Artikeln. Da meine Themen meist mit zukünftigen oder kommenden Technologietrends zu tun haben, muss man oft diese tagesaktuellen Quellen heranziehen.

Was ich an mir bemerkt habe, je länger ich in den USA wohne (seit 2001) ist, dass ich es fast aufgegeben habe deutsche Sachbücher zu lesen. Ich lese schon welche, aber die Hälfte davon finde ich unlesbar oder einfach zu beschränkt in ihren Gedankengängen. Auf dem oberen Foto sieht man in der rechten unteren Ecke einige der deutschsprachigen Bücher, und von denen waren vier echter Mist. Da kriegt man den Eindruck, die Autoren – übrigens alle Akademiker – wollten zeigen, auf welchem Intellektuellen Niveau sie stehen, aber es ist alles Fassade. Ihre Gedankengänge und Schlussfolgerungen empfand ich als eingeschränkt auf den deutschen Kulturraum, ohne Wissen und Studien aus anderen Sprachen hinzuziehen, und oft nur von einer negativen Sicht der Dinge. Gerade auch das ausführliche Zitieren und oftmalige Anführen alter Philosophen scheint mir eher intellektuellem Imponiergehabe, denn sachlicher Beweisführung zu dienen. So als ob Name-dropping alleine schon alle weiteren Zweifel ausräumen sollte. So jedenfalls wirkt das auf mich.

Englischsprachige Sachbücher hingegen verwenden viele anschaulichen Beispiele, die die Theorie greifbar machen lassen. Man sieht, dass diese Autoren in die Praxis hinausgehen, auch wenn sie an Unis sind. Und da der englischsprachige Kulturraum einfach größer ist und viel mehr Einflüsse durch andere aufsaugt, sind die Gedankengänge und Modelle oft viel umfangreicher. Da ich im Silicon Valley wohne, kommt da nochmals eine Ebene hinzu, die sich viel eher mit provokanten Thesen und das auch sicherlich Technologie-freundlicher und optimistischer auseinandersetzt.

Notizen

Das Rohdokument wächst und wächst mit Notizen voll mit Links, Strukturierungsversuchen, dazwischen gepappten Fotos, und ins Reine geschriebenen Absätzen. Langsam, in mühsamer Arbeit, aber stetig übertrage ich dann die Notizen in die entsprechenden Absätze, formuliere meine Gedanken und die Narrative drumherum. Dabei vergesse ich nie die Referenzen einzutragen und auf die Originalautoren, die Studie, oder das Beispiel hinzuweisen.

Notizen helfen mir auch Gedankengänge und Zusammenhänge nicht zu vergessen. Diese sind ja oft sehr flüchtig, und genau deshalb trage ich sie auch sofort immer in das Rohmanuskript ein.

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Ausschnitte der rohen Notizen und Strukturen meiner zwei entstehenden Bücher.

Abtesten der Ideen

Schon bei meinem ersten Buch habe ich Inhalte des entstehenden Buches als Blog oder Post in einem Forum in die Öffentlichkeit gelassen. Diese Arbeit mit der Community erlaubt mir die Ideen abzuklopfen, Schwächen zu finden, Argumente zu sehen und Fakten dafür zusammenzutragen. Damit kann ich die Bücher umfangreicher und gehaltvoller machen, weil ich die großen und kleinen Fragen im Buch damit behandeln kann. Meine Bücher werden damit inhaltlich dichter, vielleicht auch ‘wasserdichter’ und weniger angreifbar, weil ich mich mit mehr Fragen und intensiver damit durch das Community-Feedback beschäftigt habe.

Ich habe auch keine Angst davor, dass ich damit meine Ideen oder die Buchinhalte schon ‘vorveröffentlicht’ habe, und damit niemand mehr mein Buch kauft. Ganz im Gegenteil: damit werden potentielle Leser eher auf das Buch aufmerksam, und auch wenn sie viele Artikel lesen können, der Großteil des Inhalts macht es ohnehin nie in einen Blog. Und das hat mehrere Gründe. Ein Blog verlangt anderes Schreiben, er ist kürzer mit weniger Paragraphen und braucht einen Anfang und ein Ende. Ein Buch hingegen erlaubt längere Ausführungen und benötigt Überleitungen zwischen Kapiteln, aber keinen Anfang und Ende zwischen den Kapiteln. Und dann bietet ein Buch einen sehr interessanten Service: nämlich eine lineare Lesbarkeit. Während ein Leser bei Blogs weiter klicken und sich selbst die Struktur erarbeiten muss, bietet das Buch das bereits fertig und ohne Mühe an.

Oft werde ich dann auch in diesen Foren zum Moderator oder Administrator aufgrund meiner Beiträge ernannt, was einen weiteren Vorteil bietet. Ich bin anerkanntes Mitglied und Experte, der dort aufgrund seines Status sein Buch besser, sprich unaufdringlicher promoten kann.

Narrativ

Da ich Sachbücher für die breite Öffentlichkeit schreibe, die ich dabei für diese Themen interessieren, begeistern, aber auch vorbereiten möchte, sind Geschichten ein wichtiger Punkt. Und da ist man in Kalifornien mit der Traumfabrik Hollywood, die nichts anderes als die größte Geschichtendruckmaschine der Welt ist, gut aufgehoben.

Geschichten kommen dabei in vielen Formen vor. Eine ist mal das Buchübergreifende Narrativ. “Der letzte Führerscheinneuling … ist bereits geboren” ist bereits so eines. Und jedes Faktum, jede kleine Anekdote, jedes Interview, jede Geschichte, die ich darin habe, soll dieses Narrativ unterstützen.

Da kommt mir zugute, dass ich schon sehr früh bemerkt habe, dass ich mir viele kleine Anekdoten, komischen Geschichten oder kleine Witzchen irgendwie immer gut gemerkt habe und sie bei Bedarf in der richtigen Situation im Gespräch abrufen konnte. Das erklärt auch warum unter meinen bisherigen 12 Büchern auch ein Witzbuch drunter ist.

So lesen sich auch meine Bücher. Ich suche immer eine gute Story gleich in der Einleitung, die den Leser fesselt oder ungläubig staunen lässt und Lust auf mehr macht. Ich bringe dabei abwechselnd Geschichten und kleine Anekdoten, gespickt mit kurzen Strecken an Fakten rein. Mit meinen Büchern ziele ich ab, zu unterhalten, zu informieren, es kurzweilig zu machen, aber auch zu inspirieren. Meine Leser sollen das Buch fertig gelesen weglegen und aktiver Teil von dieser spannenden Zukunft werden wollen.

Zitate

Wer meine letzten Bücher gelesen hat sieht auch viele kleine Zitate, die ich zumeist bei Kapitelanfängen oder Überschriften habe. Nicht nur liebe ich geistreiche Zitate, sondern mache mir auch einen Spaß daraus, witzige oder kontroverse Zitate einzustreuen, die als Auflockerung dienen sollen. In meinen Rohmanuskripten habe ich deshalb immer ganz am Ende einen Abschnitt von allen Zitaten, die mir unterkamen, und die ich dann in den entstehenden Text einbaue.

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Sammlung an Zitaten und humoristischen Stücken für den späteren Einbau in den fertigen Text.

Interviews

Gerade für die Themen, an denen ich arbeite, spreche ich mit vielen Experten aus der Branche. Zumeist ist das eine Stunde, in die ich mit ein paar vorbereiteten Fragen komme, und dann den Interviewpartner frei reden lasse. Die Interviews zeichne ich normalerweise mit dem iPhone oder einem Mikrophon auf, oder ich trage Notizen gleich direkt auf dem Computer ein. Manchmal ist das Interview so reichhaltig, dass man sehr oft im Buch daraus zitiert oder gleich einen ganzen Abschnitt nur dazu macht, manchmal schafft es aber auch nur ein Satz ins fertige Buch. Und manchmal sogar gar nichts, dafür aber brachte das Interview wertvolle Hintergrundinformationen.

Speichern

Als Teenager hatte ich auf meinem Commodore 64 das Nahtoderlebnis, dass ich ein Computerprogramm, das ich in mühsamen 8 Stunden aus einer Computerzeitschrift abgetippt hatte, irrtümlich auf der Diskette überschrieben hatte. Deshalb mache ich alle zehn bis zwanzig Minuten einfach eine Sicherheitskopie auf Dropbox und in größeren Abständen auf einem USB-Stick.

Dauer

Ich habe schon darüber gesprochen, wie ich meine Zeit einteile, um zu schreiben. Oft kriege ich aber die Frage gestellt, wie lange ich an einem Buch geschrieben habe. Genau erfasse ich das nicht, aber mir ist sehr bewusst, dass es stark vom Thema abhängig ist.

Ich bezeichne Buchthemen wie “Das Silicon-Valley-Mindset” oder das kommende “Foresight Mindset” als abgeschlossene Themenbereiche. Da ändert sich nicht viel, die Themen sind in sich abgeschlossen und der Aufwand damit leichter abschätzbar. Für so ein Buch brauche ich zwischen sechs und zwölf Monate.

Themen die sich gerade entwickeln, wie “Enterprise Gamification” oder “Der letzte Führerscheinneuling…“, sind viel schwerer zu ergreifen. Da ändert sich sehr viel, die Dynamik ist hoch. Man schreibt gegen ein sich bewegendes Ziel. Bei diesen brauche ich viel länger, zwischen eineinhalb und zweieinhalb Jahren. Das Buch muss ich mehrmals umstrukturieren, oft brauche ich lange, bis ich einen Aspekt verstehe oder die Anwendung dafür sehe. Und dann geschehen während des Schreibens Durchbrüche in der Technologie oder passieren Dinge, die einiges auf den Kopf stellen. Bei solchen Büchern ist es dann auch schwer, ein Ende zu finden, weil sich noch so viel tut. Aber irgendwann muss man den Schlussstrich setzen, weil sonst Kapitel veralten und umgeschrieben werden müssen. Man kommt dann mit dem Umschreiben nicht mehr nach. Da ist es dann besser eine ‘unrunde’ Sache auf die Leser zu lassen, als zu spät oder gar nicht.

Schreibhemmung

Es kommt nicht selten vor, dass man vor einer Schreibhemmung steht oder mit Ablenkungen versumpert, weil man nicht weiter kommt. Dazu habe ich selbst für mich als Anregung Abwechslung entdeckt – und das wird auch durch wissenschaftliche Studien bekräftigt.

Oft hilft mir ein Spaziergang oder Fahrradfahrt, oder die Fahrt zu einem Kaffeehaus in der Nachbarschaft um meine Gedankengänge wieder zum Laufen zu kriegen. Physische Aktivität und die Konzentration auf andere Themen lenkt ab, lässt aber das eigentlich Problem nicht vergessen. Es ‘läuft im Hinterkopf’ weiter, und nach wenigen Stunden oder Tagen kommt die Lösung. Auch der ruhige Moment unter der Morgendusche, wo alle anderen Einflüsse ausgeblendet sind, helfen mir oft den bevorstehenden Tag zu organisieren und einen Ansatz entdecken.

Was auch immer jemanden hilft die Blockade zu überkommen soll man sich merken und anwenden.

Veröffentlichen

Wie komme ich nun zu einem Verlag? Oder soll ich doch selbst verlegen? ich habe beides gemacht, und beides hat seine Vor- und Nachteile. Selbstverlag ist dann interessant, wenn man ein sehr spezifisches Thema hat, das ein traditioneller Buchverlag eher nicht publizieren würde – wobei, sag niemals nie – und wenn man selbst eine große Verteilerliste an Kunden hat. Das habe ich so mit fünf meiner Gamificationbücher so gemacht. Dabei hatte ich die vollständige Kontrolle über die Buchgestaltung, Layout, Cover und Preis. Allerdings, ich musste mich um das alles selbst kümmern.

Nachteil vom Selbstverlag ist, dass Buchhandlungen und Bibliotheken, die eine nicht zu unterschätzende Menge an Büchern abnehmen, das Buch nicht aufnehmen werden. Solange es aber nur für die eigene Klientel gedacht ist, ist Selbstverlag sicherlich eine spannende Möglichkeit.

Um einen Verlag zu finden muss man zuerst Mal ein Pitchdeck erstellen. Man muss sich selbst, das Thema, das Buch und alles mögliche anpreisen. Was ist das Thema und warum ist es interessant? Wer bin ich, und was macht mich zum geeigneten Autoren zu diesem Thema? Wer ist denn das Publikum? Hat man selbst Social Media-Auftritte mit vielen Followern und ist als gefragter Sprecher unterwegs, wo man das Buch bewerben oder sogar auflegen kann? Macht man Workshops, wo das Buch als Arbeitsunterlage dient? Schreibt man regelmäßige Newsletter? Was sind Bücher in der selben Themenkategorie? Welche anderen Bücher hat man schon geschrieben? Veröffentlicht man selbst in Zeitschriften oder auf Blogs?

Vermarktung

Was ich erst langsam lernen musste, vor allem mit den zwei letzten Büchern, ist die Art der Vermarktung. Das muss man als Autor aktiv angehen. Man muss über das Buch sprechen, aber nicht aufdringlich wirken.

Auch ist es eine feine Gratwanderung, ob man das Buch gelegentlich verschenkt oder die Leute dafür zahlen lässt. Generell gesagt schätzen meiner Erfahrung nach Leser den Wert des Buches höher ein, wenn sie ganz bewusst den Schritt gesetzt haben es zu kaufen.

Verschenken ist so eine zwiespältige Sache. Es kann aufdringlich wirken, es mag nicht wirklich wertgeschätzt werden, und nicht alle die einem begegnen sind eifrige Leser. Beim Silicon-Valley-Mindset-Buch folgte ich der Philosophie, es nicht zu verschenken. Das hat sich etwas aufgeweicht, vor allem mit dem letzten Buch zum Führerscheinneuling. Dort bin ich etwas freihändiger mit dem Verschenken, und im Gefolge dessen auch mit dem Silicon-Valley-Mindset-Buch. Ich gehe dabei ein bisschen nach dem Bauchgefühl, wann und unter welchen Umständen ich großzügig bin. Sobald ich den idealen Mix herausgefunden habe, lasse ich es Euch wissen.

Was ich nie gemacht habe ist Werbung schalten oder Gutscheine verteilen. Stattdessen als aktiv beitragendes und Wert schaffendes Mitglied in Themen-bezogenen Online-Foren dezent hinweisen.

Geld

Und zum Schluss die gute Frage, ob das Bücher schreiben eigentlich Geld bringt? Nun ja, reich davon wird man nicht und Leben kann man auch nicht davon, außer man verkauft hunderttausende Stück. Sachbücher in Deutschland gelten ab 10.000 abgesetzten Stück als Bestseller, und das schaffen die meisten nicht. Weiß man dann, dass die Autorenhonorare im Regelfall je nach Ladenpreis und Autorenvertrag gerade mal ein bis zwei Euro pro verkauftem Buch ausmachen – die auch noch versteuert werden müssen – dann wird einem rasch klar, dass man das nicht macht um steinreich zu werden.

Vielmehr sind meine Bücher für mich aufwendige Werbematerialien. Anstelle einer zweiseitigen Hochglanzbroschüre die keiner liest habe ich ein mehrere hundert Seiten umfassendes Buch, die den nicht verleugbaren Vorteil haben, dass der Autor als ‘Experte’ angesehen wird. In vielen Ländern ist ein publizierter Buchautor nach wie vor eine Person, der Bewunderung entgegen gebracht wird.

Meine Bücher – in Kombination mit meinen Websites, Blogs, Newslettern und sonstigen Marketingaktivitäten – positionieren mich als Experten, den man gerne mal als Keynoteredner auf Konferenzen einlädt. Mit einem Engagement verdiene ich mehr als mit den Tantiemen eines Jahres als Buchautor. Hinzu kommen dann Workshops und Projekte, und in meinem Fall Anfragen für Delegationsreisen.

Und viele der Kontakte entstehen durch Leser, denen der Inhalt, Stil und die Leidenschaft des Niedergeschriebenen gefallen hat, und die mich einladen oder herkommen und mich als Organisator haben wollen.

Das unterscheidet mich auch noch von einem ‘normalen’ Berater. ich kann höhere Vortragshonorare verlangen, weil ich eben der Autor dieses Buches bin, und damit den Aufschlag wegen meiner Miniprominenz kriege.

Neue Themen

Hat man Buch geschrieben und veröffentlicht, unterläuft man einem Zyklus. Manche Themen sind sehr kurzlebig und die machen nur innerhalb einer kurzen Periode Geld. Andere Themen sind langlebiger und weniger an aktuellen Trends verhaftet. Manche Bücher haben einen langsamen Anlauf, dann aber können sie durch Mundpropaganda langsam Fahrt aufnehmen.

Wie auch immer, als passionierter Buchautor, der schreiben muss, ist nach dem Buch schon wieder vor dem Buch. Nur wie finde ich neue Themen? Für mich ist das eigentlich ganz einfach. Meine letzten und die zwei kommenden Bücher haben nicht nur einen roten Faden, sondern sind auch jeweils Spinoffs.

Der rote Faden in meinen 10 letzten und kommenden zwei Büchern ist eigentlich immer die Frage nach menschlichen Verhaltensweisen. Von Gamification, zum Witzbuch, zum Silicon-Valley-Mindset, dem letzten Führerscheinneuling hin zu Trenderkennung und wie künstliche Intelligenz uns beeinflussen wird, die spannendste Frage ist immer wieso sich die Menschen auf gewisse Weisen verhalten, was sie ändern können, und wie uns diese Änderungen und Technologien alle betreffen und ändern wird.

Die Gamification-Bücher beinhaltete sehr viel an Verhaltensforschung und was Menschen motiviert. Das Silicon-Valley-Mindset baut genau darauf auf. Der letzte Führerscheinneuling entstand dann, weil ich im Silicon-Valley-Mindset-Buch viel über die Automobilindustrie als anschauliches Beispiel des Mindsets beschrieben habe. Was. ich dann wiederum zur Frage führte, warum haben es die Automobilbauer so schwer, die Zukunft zu erkennen. Resultat: Foresight Mindset. Und im selben Atemzug drängte sich künstliche Intelligenz in den Vordergrund, weil es schon bei autonomen Autos viel zum Einsatz kommt und aktuell sehr viel in den Nachrichten kursiert.

Es ist nicht alles so geradlinig und einfach erkennbar, wie es im Nachhinein aussieht. Als Autor und Technologietrendforscher muss man seine Fühler ausstrecken und ganz genau zwischen den Zeilen und Fragen lesen. Je mehr man diese Signale erkennt und sich notiert, desto rascher sieht man neue Themen. Und was mich selbst am meisten interessiert, also wo ich sicher bin, dass ich zwei bis drei Jahre daran ohne Motivationsprobleme daran arbeiten kann und ich glaube, dass es ein wichtiges Thema ist, dann packe ich es an.

Dieser Beitrag ist auch auf Englisch erschienen.

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