Ein Lord als Streifenpolizist

Das Leben als Lord, der dank des großzügigen Familienerbes nicht darben muss, stellen wir uns als ein bequemes vor. In der Früh, also eher zu Mittag, werden wir vom Butler geweckt, der uns das Frühstück ans Bett mit der Morgenzeitung serviert, und wir müssen nach ausgiebigen Genuss nur mehr in die bereitgelegte und gebügelte Kleidung schlüpfen, um dem Polo, der Fuchsjagd oder dem Spaziergang zu frönen.

Weit gefehlt! Der junge und hinter den Ohren noch grüne Lord Harold – der Zwölfte dieses Namens – ist ein Beispiel für Nobilität mit einer Leidenschaft. Seine gilt der Polizei, und dort will er hin. Und nicht nur in irgendeinen Rayon, wo es einem Lord gebührend verhältnismäßig gesittet zugeht, sondern er sucht nach einem Posten ganz gezielt im übelsten Stadtteil, Blackchurch, an. Sein Wunsch wird im gewährt und er ist dabei einem Geheimnis auf der Spur, die ihn zu mysteriösen Todesfällen führt, eine Polizeistation die eine Abmachung mit den Schurken zu haben scheint, und einem undurchschaubaren Gleichgewicht zwischen Schurkenbanden. Mittendrin steht die hübsche Besitzerin einer Spelunke, bei der alle Fäden zusammen laufen.

Umschlagsbild von „Die Untersuchungen von Lord Harold“

Während Lord Harold in seiner Arbeit aufgeht und die lange eingespielten Rituale und Abmachungen nicht bemerkt, und damit die fein austarierte Balance aller Beteiligten aus dem Gleichgewicht bringt, ist sein Butler unzufrieden. So sieht er, der als Zwölfter, wie schon sein Vater, Großvater, Urgroßvater und so weiter, dem Geschlecht als Butler diente, seine Routine aus dem Lot gebracht. Kurzerhand beschließt er, seinem Herrn ebenso als Polizist nach Blackchurch zu folgen, für sein leibliche Wohl zu sorgen und im beizustehen.

Die Geschichte sieht wie eine angelehnte Sherlock Holmes-Geschichte aus, bis am Ende des ersten Band plötzlich etwas Unerwartetes aus dem Fluss auftaucht, und der Erzählung eine neue Richtung verpasst.

Die Zeichnungen sind gefällig, die Geschichte fesselt, kleine Seitenhiebe mit britischem Understatement ziehen sich durch das ganze Album. Humor und Spannung kommen nicht zu kurz

Der Band ist der erste Teil einer mehrbändigen Serie, auf französisch erschienen bei Vents d’Ouest und kostet €14,50.

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